Löbtauer Geschichtsblättchen Online

Löbtauer Geschichtsblättchen Online

 

herausgegeben von der Arbeitsgruppe Löbtauer Geschichte aus Anlass des 950. Stadtteiljubiläums 2018

Einleitung / Vorspann

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Löbtauer Geschichte möchten im Festjahr des 950. Jubiläums von Löbtau in loser Folge jeden Monat auf der Website der Löbtauer Runde einen Ausschnitt der Geschichte des Stadtteils näher beleuchten.

Wir hoffen, allen Löbtauern und natürlich auch anderen Interessierten Bekanntes mit weniger Bekanntem zu verknüpfen und die Geschichte von Löbtau erlebbarer zu machen.

Bei diesem Vorhaben werden wir von Menschen sowohl aus dem Stadtteil als auch von außerhalb unterstützt und können uns dabei auch auf erfreulich viel gesammeltes Material zurückgreifen.

Die monatlich betrachteten Themen folgen keiner chronologischen Reihenfolge und stellen eine Ergänzung zum 2018 erscheinenden Stadtteilheft dar.

Unabhängig davon werden wir im Jubiläumsjahr natürlich auch wieder unterwegs sein mit und bei verschiedenen Veranstaltungen. Näheres dazu erfahren alle Neugierigen im Frühjahr 2018 und danach laufend über verschiedenen Informationskanäle.

 

Löbtauer Geschichtsblättchen Online

herausgegeben von der Arbeitsgruppe Löbtauer Geschichte aus Anlass des 950. Stadtteiljubiläums 2018

Oktoberausgabe

Autor: Lara Schink

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Ein Friedhof als Ort für die Lebenden

Eine Brücke zwischen Leben und Tod ist wohl jeder Friedhof irgendwo. Doch auf kaum einem anderen Friedhof in Dresden treffen Leben und Tod so sehr aufeinander wie auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden-Löbtau.

Und das ganz bewusst: 1875 wurde die Friedhofsanlage nach Plänen des Gartenarchitekten Max Bertram im Gegensatz zum engen Pragmatismus vieler anderer Friedhöfe als weitläufiger Park gestaltet. Die Alleen und Rasenflächen sollten den Besuchern nicht nur einen Ort zum Trauern bieten, sondern auch zum Spazierengehen einladen. Dieser Ansatz war zur damaligen Zeit eine Novität und kam bei der Bevölkerung gut an. Im städtischen Raum waren Friedhofsflächen teilweise so überbelegt, dass die Toten noch vor der vollständigen Verwesung exhumiert werden mussten, um Platz für neue Bestattungen zu schaffen. Die Grabsteine standen damals so dicht an dicht wie die Häuser der stets wachsenden Innenstädte.

Auch in der Geschichte der Annenfriedhöfe spiegelt sich dies wieder; so ist der Neue Annenfriedhof der vierte Annenfriedhof, der angelegt wurde. Wie bei den meisten kirchlichen Friedhöfen, war der erste Annenfriedhof 1578 als Kirchhof ringsum die Annenkirche angelegt und wie die Kirche nach der Kurfürstin „Mutter Anna“ von Dänemark benannt. Da ein Teil der Fläche bei einer Kircherweiterung überbaut wurde, entstand der „Neue Annenkirchhof“ 1712 am heutigen Sternplatz. Weil dieser rasch bis zur Überfüllung belegt war, wurde 1848 der Alte Annenfriedhof in der heutigen Südvorstadt gegründet. Hier waren die Bestattungsplätze derartig schnell vergeben, dass schon 15 Jahre später eine Erweiterung auf etwa die doppelte Fläche vonnöten war. Da die Bestattungen weiterhin rasch und zahlreich erfolgten, ist der Neue Annenfriedhof nicht sehr viel „neuer“ als der Alte Annenfriedhof: Nur 27 Jahre trennen die beiden Geschwister.

Alte Grabmale vom Neuen Annenkirchhof erinnern hier auf dem Alten Annenfriedhof an den zweiten Friedhof der Gemeinde; Foto Lara Schink]
(Alte Grabmale vom Neuen Annenkirchhof erinnern hier auf dem Alten Annenfriedhof an den zweiten Friedhof der Gemeinde; Foto Lara Schink]

Heute sind die Flächen der ersten beiden Annenfriedhöfe säkularisiert und überbaut.
Während Platzmangel auf den Friedhöfen die Gemeinde einst auf Trab gehalten hatte, sind es heute die Freiflächen, die besonders auf dem Neuen Annenfriedhof auffallen.

Für ca. 40.000 Grablager war der Friedhof einst angelegt worden und zur damaligen Zeit der größte Friedhof der Stadt (bald jedoch überholt von Johannisfriedhof und Heidefriedhof). All diese Grablager waren zeitweise tatsächlich auch vergeben. Es gab einen so hohen Flächenbedarf, dass die in Löbtau ansässige ev.-luth. Kirchgemeinde Frieden & Hoffnung von 1897 bis zum Ende des 2. Weltkriegs unmittelbar neben dem Neuen Annenfriedhof eine eigene Bestattungsfläche betrieb, den Friedhof „Friede und Hoffnung“, der nach dem zweiten Weltkrieg jedoch mit dem Neuen Annenfriedhof zusammengeschlossen wurde.

Mit dem Wandel der Bestattungskultur hin erst zur Urnenbestattung und dann zu anonymeren Bestattungsarten wie der „Grünen Wiese“ oder dem Gemeinschaftsgrab wird heute deutlich weniger Fläche benötigt. Doch auch die Bevölkerung Löbtaus hat sich in den letzten zwei Jahrhunderten sehr stark gewandelt: War Löbtau vormals nur ein kleines Dorf bei Dresden, erlebte der heutige Stadtteil durch die industrielle Blüte einen Boom, der die Einwohnerzahlen von wenigen hundert auf fast 40.000 ansteigen ließ. Heute wohnen nur noch ca. 20.000 Menschen im Stadtteil.
Während der Friedhof zu seiner Erbauung praktisch auf einem Dorfacker vor den Toren Dresdens angelegt wurde, ist er heute dicht umbaut und liegt zentrumsnah inmitten Dresdens. Die große Grünfläche kommt der eher jüngeren Bevölkerung Löbtaus sehr zugute als Ruhepol und „Grüne Lunge“ des Stadtteils.

Der Camposanto des Neuen Annenfriedhofs vor seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg, Foto aus dem Archiv des Verbands der Annenfriedhöfe Dresden
Der Camposanto des Neuen Annenfriedhofs vor seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg, Foto aus dem Archiv des Verbands der Annenfriedhöfe Dresden
Engelfiguren von G. A. Kietz vor Reliefs von] M. Engelke; Foto von Lara Schink
Engelfiguren von G. A. Kietz vor Reliefs von] M. Engelke; Foto von Lara Schink

Doch nicht nur der Parkcharakter gibt dem Neuen Annenfriedhof sein Gesicht: Geht man die Kesselsdorfer Straße entlang, fällt der Blick sofort auf das eindrucksvolle Hauptgebäude. Nach italienischem Vorbild hatte Robert Wimmer, ein Schüler Gottfried Sempers, hier einen „Camposanto“ entworfen. Das sogenannte „Heilige Feld“ bezeichnet das Ensemble des durch Säulengänge und Gebäude eingesäumten Innenhofs. Insbesondere der Friedhof „Cimitero Monumentale di Staglieno“ in Genua soll hier als Vorbild hergehalten haben. Herzstück des Gebäudes war die Friedhofskapelle, die mit einem Werk Schnorr von Carolsfelds ausgeschmückt war. Von ihr sind heute leider nur noch die Trümmer des Portikus und einige Säulenreste übrig. Die Kapelle war den Luftangriffen im Januar 1945 zum Opfer gefallen. Bei dem Einsturz waren auch Angehörige eines Trauerzugs mit ums Leben gekommen.

Durch die Lücke inmitten des Gebäudeensembles blickt man heute auf ein Rosenrondell mit Christusfigur. Die Christusfigur, die vormals in der Annenkirche stand, kennzeichnet heute den ehemaligen Altar, das Rosenrondell beschreibt den ungefähren Grundriss des fehlenden Gebäudeteils.

Trotz der Kriegsschäden kann der Camposanto auch heute noch beeindrucken, unter anderem durch die zahllosen Skulpturen und Reliefs (Martin Engelke). Künstlerisch bemerkenswert sind dabei nicht nur die beiden Engel an der Nordseite (Gustav Adolph Kietz) und die diversen Grabskulpturen: In den Arkadengängen finden sich auch zwei Skulpturen Robert Henzes, die Besuchern der Markuskirche sehr bekannt vorkommen dürften. Die beiden Figuren zeigen die Propheten Daniel und Jeremia und sind wahrscheinlich „Prototypen“ ihrer jeweiligen Pendants an der Fassade der Markuskirche.

Jesusskulptur im Eingangsbereich
Jesusskulptur im Eingangsbereich Foto: Lara Schink
Genius mit gesenkter Fackel auf dem Grab Siemens Foto:Lara Schink
Genius mit gesenkter Fackel auf dem Grab Siemens Foto:Lara Schink

Natürlich konnten sich nur die besonders gut betuchten Bürger den Luxus leisten sich in einer der Grüfte direkt im Eingangsbereich beisetzen zu lassen. Das traf besonders auf die Fabrikbesitzer zu, die zum rasanten Wachstum des Stadtviertels beigetragen hatten. Zu finden sind in den überbauten Grüften vor allem Alfred Klinge (Besitzer eine Ledertreibriemenfabrik und Förderer des Stadtviertels; nach ihm wurde die Klingestraße benannt) und Christian Albert Bierling (Gründer einer Glocken- und Kunstgießerei; er schuf viele der bedeutendsten Denkmäler und Brunnen in Dresden). Der bekannteste Industrielle dürfte aber Friedrich Siemens sein, der Inhaber einer großen Glasfabrik sowie einer Industrieofenbaufirma war und durch seine Expertise den Kremationsofen für die weltweit erste Einäscherung bei geschlossenem Feuer konzipiert hat.
Auch jenseits des Camposanto findet sich so manche bedeutende Persönlichkeit.

 

Skulptur eines Mannes auf dem Grab Paul Büttners; Fotos Lara Schink
Skulptur eines Mannes auf dem Grab Paul Büttners;
Fotos Lara Schink

Darunter unter anderem der Mitgründer des DEFA-Trickfilm-Studios und Trickfilmer Lothar Barke (u.a. „Alarm im Kasperletheater“) und der durch die Nationalsozialisten in Vergessenheit gedrängte Komponist Paul Büttner (der lange Leiter und noch länger Namensgeber des heutigen Heinrich-Schütz-Konservatoriums war).
Um die spannenden Geschichten solcher Persönlichkeiten erlebbar zu machen, laden Friedhofsträger und Denk Mal Fort e. V. mehrmals im Jahr zu Führungen oder Vortragsabenden ein, unter anderem im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bekannte Unbekannte – Unbekannte Bekannte“.

Eine traurige Geschichte erzählen auch die beiden Gedenkstätten für die Opfer der beiden Weltkriege, sowie die Kriegsgrabanlage im hinteren Teil des Friedhofs, in der fast 700 Kriegsopfer ihre letzte Ruhe fanden. Viele Anwohner aus dem Stadtteil fielen hier vor allem dem letzten großen Angriff am 17.04.1945 zum Opfer, aber auch italienische und deutsche Soldaten, Flüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien auf der Durchreise, sowie Zwangsarbeiter aus Tschechien und Polen. Jedes Jahr findet am 17.04. eine Gedenkfeier statt.

 

Kriegsgrabanlage Neuer Annenfriedhof Foto: Lara Schink
Kriegsgrabanlage Neuer Annenfriedhof Foto: Lara Schink

Unmittelbar vor der Kriegsgrabanlage befindet sich eine durchaus geheimnisvoll anmutende Abteilung, deren Wildnis noch von schlechteren Zeiten für den Friedhof erzählt:
Von Efeu und anderen alten Grabbepflanzungen wurden die letzten noch stehenden Einfassungen und Grabmale in der Abteilung überwuchert, die bereits kurz nach dem Krieg beschränkt geschlossen und seit den 1970er-Jahren nicht mehr belegt wurde. Junge Ahorntriebe bilden teils ein dichtes Dickicht.

Ein Bild, das so ähnlich um die Wende herum wohl viele Bereiche des Neuen Annenfriedhofs gekennzeichnet hat. Als letztes Überbleibsel dieser Zeit möchte der Friedhofsträger den Bereich gerne als „Wildnis“ erhalten. Zum einen als Dokumentation der eigenen Entwicklungsgeschichte, zum anderen weil die niedrigen Gehölze einen hervorragenden Lebensraum für bodenbrütende Vögel und Insekten bieten.

So ist der Neue Annenfriedhof auch heute noch ein besonders facettenreicher Friedhof, der im Herzen Löbtaus dem Einen Trostspender in einer schweren Zeit ist, den Anderen ziehen das Interesse an Architektur und Kunsthandwerk auf den Friedhof, der Dritte begeistert sich für die auf den Grabsteinen erzählte Stadt(teil)geschichte und der Vierte genießt das Vogelzwitschern und die Krokusblüte auf einem Friedhof, der immer auch ein bisschen Park war.

Septemberausgabe

Autor: Uwe Hessel

Rauchende Schornsteine und geschäftiges Treiben rund um die Weißeritz, Löbtau im Industriezeitalter

Zur PDF-Version der September-Ausgabe

Teil 1

Grundlage für den nachfolgenden Beitrag ist der ist der vom Autor am 29.08.2018 gehaltene Vortrag.

Einleitung

Die Geschichte der Industrie in Löbtau bietet eine Vielfalt von Einblicken in die Entwicklung von Fabriken im Stadtteil selbst und in den benachbarten Dresdner Stadtteilen Plauen, Friedrichstadt, Cotta und der Wilsdruffer Vorstadt. Ein wichtiger Ursprung der Dresdner Industrie überhaupt liegt gerade im Bereich der Weißeritz, teils auf Löbtauer und teils auf Plauener Seite: der ehemalige Weißeritzmühlgraben und das Gelände an der Weißeritzbrücke an der heutigen Kesselsdorfer- / Freiberger Straße.

Mit Löbtau selbst sind so bekannte Namen wie Hille, Klinge, Lehmann, Naumann oder Siemens verbunden, die es nicht selten zu Weltruhm gebracht haben. Aber auch weniger bekannte Firmen wie Popp, Postranecky, Richter oder Seifert gehören dazu. Die Aufzählung ist natürlich nur beispielhaft, denn ein paar Fabriken reichten natürlich nicht, um Löbtau zum Titel der dereinst größten sächsischen Industriegemeinde zu verhelfen.

Ein paar Worte zur Ausgangslage

In verschiedener Form sind schon zu früheren Zeiten einzelne Beiträge zur Löbtauer Industrie- und Gewerbegeschichte erschienen. Gleiches trifft auf etliche Firmenportraits und –Chroniken zu.

Eine zusammenfassende und wissenschaftlich fundierte Darstellung fehlt allerdings bis heute.

Ein erster neuerer Versuch, wird im Löbtauer Stadtteilheft unternommen.[1]

Da der Platz im Stadtteilheft natürlich begrenzt ist, wird in diesem Beitrag ausführlicher auf einzelne Aspekte eingegangen, insbesondere die für Viele interessanten Firmengeschichten, da bei so manchen ehemaligen Arbeiter, Angestellten oder Betriebsleiter Erinnerungen wach werden.

Erfreulich viele jüngere Menschen, deren Eltern, Großeltern oder Verwandte mal in einem der Betriebe gearbeitet haben, interessieren sich dafür. Neu-Löbtauer wollen sich zudem oft mit Ihrem neuen Wohn- und Arbeitsort bekannt machen.

Somit bestehen beste Voraussetzungen für ein mögliches Projekt aus der Bürgerschaft heraus, um mit Unterstützung von Fachleuten die aus dem Ortsbild des Stadtteils weitgehend verschwundenen Zeitzeugnisse in ihrer Gesamtheit wieder erlebbar zu machen.

Als aus meiner Sicht gelungene Einzelbeispiele möchte ich den Badgarten auf dem Gelände einer ehemaligen Wäschereimaschinenfabrik an der Bünaustraße oder den, zwar nicht nur auf Löbtau bezogenen, bald wieder stattfindenden IndustrieKulturParcour sowie den Mühlenpark auf dem Gelände der ehemaligen Pulvermühle nennen.

Die Quellenlage

Der Beitrag speist sich aus verschiedensten Quellen. Neben der allgemein zugänglichen Literatur sind es viele private Materialien. So sammeln z.B. die Mitglieder der AG Löbtauer Geschichte fast jeden Schnipsel zu Löbtau und damit natürlich auch zu den Firmen. Der Autor selbst befasst sich außerdem schon seit Jahren mit Industriegeschichte und besitzt einen eigenen Fundus. Kontakte mit örtlichen geschichtsinteressierten Bürgern, Unternehmern und Intsitutionen helfen zusätzlich.

Dennoch hat die AG Löbtauer Geschichte gerade erst damit begonnen, sich einen Überblick zum Thema zu verschaffen.

Fabriken in Löbtau: die Anfänge

Für die Entstehung von Fabriken in Löbtau spielte der Weißeritzmühlgraben mit dem angrenzenden Holzhof eine herausragende Rolle.[2]

Seine Bedeutung nahm mit dem Ersatz der Wasserkraft durch Dampfkraft ab, blieb aber lange noch präsent. Auf einer Panoramzeichnung von Löbtau aus dem Jahre 1885 kann man schon 51 Fabrikschornsteine zählen.[3]

Einen weiteren Schub brachte der Eisenbahnanschluß, ursprünglich hauptsächlich wegen des Kohlebahnhofs. Auf dem Bahnhofsgelände wurden aber auch Baumaterialien umgeschlagen, quasi die Fortführung des Holzhofes.

Um diese Quelle der anfangs aus dem Döhlener Gebiet stammenden Steinkohle siedelten sich folgerichtig bald Firmen an, die den Energieträger für ihre Dampfmaschinen benötigten.

Der begrenzte Güterverkehr für Fertigprodukte verlagerte sich schnell auf die östlich der Rosenstraße liegenden Gleise um den Chemnitzer Bahnhof. Das zog wiederum Dienstleister (heute würde man Logistiker sagen) wie Planen- und Kistenfabriken sowie Lohnpacker an.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es schließlich ein großes Industriegebiet mit hunderten Firmen und zehntausenden Arbeitern zwischen Löbtauer-, Ammon-, Zwickauer- und Tharandter Straße.

Bei der Auswertung der Dresdner Adressbücher gewonnene Informationen kann man in zeitgenössische Stradtpläne eintragen und erkennt schnell, wie eng die Löbtauer Fabrikgelände mit denen in den Nachbarstadtteilen verknüpft waren.

Die Entwicklung von Handwerk und Gewerbe in und um das ursprüngliche Dorf Löbtau begann erst relativ spät. Ursache dafür waren behördliche Verbote und insbesondere im 19. Jahrhundert auch der Unwille der Gemeinde.[4]

Bereits seit dem 16. Jahrhundert gab es aufn Löbtauer Flur die Pulvermühle. Später folgten weitere Manufakturen am Weißeritzmühlgraben unmittelbar an der Grenze zwischen Löbtau und der Wilsdruffer Vorstadt. Vor 1892 gab es in Löbtau 11 Fabriken und zur „Einverleibung“ (Eingemiendung) nach Dresden wurden 58 Fabriken gezählt. Wobei man bei dem Begriff „Fabrik“ vorsichtig sein muß, da dieser nicht geschützt ist, denn nicht jede Firma, welche das Wort im Namen führte, war tatsächlich eine umfangreichere Produktionsstätte.

Meilenblatt mit Weißeritzmühlgraben, Uwe Hessel
Meilenblatt mit Weißeritzmühlgraben, Uwe Hessel

Typisch, aber nicht nur für Löbtau war, daß sich vorne ein Wohnhaus befand, z.B. in der Tharandter Straße, und sich dahinter oft kleinere Industrieanlagen bzw. Fabriken angesiedelt hatten. Größere oder große Fabriken hatten ihren Standort eher am Stadtteilrand, z.B. in der Löbtauer Straße, im südlichen Teil der Tharandter Straße und vor allem an der Freiberger Straße. Die in Sachsen weit verbreitete Kombination von Fabrikantenvilla, Kontor und Fabrik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts war in Löbtau von Beginn an eher selten.

 

Einen guten Überblick und eine kurze Einordnung in die äußeren Rahmenbedingungen findet man im Abschnitt „Die Löbtauer Industriebetriebe“ in der Arbeit von Erika Voigt.[5]

Die beiden folgenden Übersichten wurden aus Daten und Angaben von Erika Voigt zusammengestellt (die Texte sind meistens wörtliche Zitate, auf die An- und Ausführungsstriche wurde der Übersichtlichkeit wegen verzichtet):

1871 kurzen Hochkonjunktur in Deutschland
1873 Gründerkrach

Von dieser Entwicklung blieb auch Löbtau und seine Industrie nicht unberührt. Vielen Löbtauer Betrieben gelang es trotzdem, durch diese Zeit hindurchzukommen.

Anfang 1880er langsame Gesundung der Industrie aber der inländische Bedarf stieg allgemein nicht in dem Maße wie die Warenerzeugung
1885 Exportverein für das Königreich Sachsen in Dresden mit dem Ziel gegründet, die Handelsbeziehungen zwischen Sachsen und dem Ausland zu fördern
1895 erstmals in Deutschland arbeiteten ebensoviel Menschen in der Industrie wie in der Landwirtschaft

 

Wichtige Löbtauer Fabrikstandorte im 19. Jahrhundert:

  • Bereich Städtischer Kohlebahnhof
  • E. Rost & Companie, Dampfmaschinen, Dampfpumpen, Lichtgießmaschinen und Dampfkessel, 1857 gegründet
  • Dampfhammerwerk Carl Thomas, Eisenbahnbedarf: z.B. optische Signale, Weichen und Drehscheiben, 1869 gegründet
  • Glaswerk Siemens, Wein-, Bier- und Mineralwasserflaschen, Standflaschen und Säureballons sowie in Zweigwerken Glaswaren wie z. B. Beleuchtungsgegenstände, 1862 durch Übernahme einer Tafelglashütte gegründet
  • Maschinenfabrik J. M. Lehmann
  • weiterhin Dampfwäscherei, Brennerei, Presshefen-, Sprit, Essig- und Senffabriken, Klempnerei (Dampfmetalldrückerei)
  • Bereich Löbtauer Straße
  • Maschinenbauwerkstatt Carl August Kuhnert, Inhaber Edwin Winkler, 1885 gegründet
  • Hartgussfabrik H. Kühne & Co., Walzen für die Kettenschleppschifffahrt, Strohhutpressen, mit eigenem Patent hergestellten zementierten Rohre und Gussteile für die 1872 in Dresden in Betrieb genommene Pferdeeisenbahn
  • Schokoladenfabrik Lobeck, Schokolade, Oblaten, Teewaffeln, Dessertgebäck, Zuckerwaren, Makkaroni, Nudeln, 1838 im Lockwitzgrund gegründet, 1862 in Löbtau neu gegründet
  • Lacksiedlerei Alexander Hessel, bis 1893
  • weiterhin Lack-Firnis-Farbenfabrik, Schuhwaren- und Schäftefabri
  • Bereich rund um die Weißeritzbrücke
  • Eisengießerei und Maschinenbauanstalt August Theodor und Ernst Moritz Weigel, 1884 geschlossen
  • Strickmaschinenfabrik Laue & Timaeus, hand- und motorbetriebener Strickmaschinen, 1868 gegründet
  • Hanfschlauch- u. Gummiwarenfabrik-AG
  • Bereich Kesselsdorfer Straße
  • Kunststein- und Zementwarenfabrik von L. A. Schreiber
  • weiterhin Metallwaren-, Chemische- und Stempelfabriken, Buchdruckerei
  • Bereich Tharandter Straße und Löbtau Sü
  • Gas, Petroleum- und Benzinmotorenfabrik Moritz Hille
  • Aktienbierbrauerei Reisewitz und Ziegelei, 1868 gegründet
  • Dampfkesselschmiede Lehner & Schmalz, 1879 innerhalb von Löbtau umgezogen
  • Werkzeugmaschinenfabrik Wuttig
  • Dampfschleiferei Zahn
  • Kunstgießerei Pirner & Franz, u.a. bekannte Dresdner Bronzeplastiken
  • weiterhin u.a. Papyrolith- , Armaturen- , Gummiwaren- , Fahrrad- , Metallwaren- , Kartonagenfabriken, Fabrik für Sicherheitsschlösser

Firmenchroniken

 

Montage, Uwe Hessel, 2018
Montage, Uwe Hessel, 2018

Im nächsten Abschnitt soll auf einige Firmen näher eingegangen werden. Dabei möge der Leser sich einen Spaziergang vorstellen welcher von der Löbtauer- und Freiberger Straße in Richtung Löbtau Süd führt.

 

Den Beginn macht die sowohl flächenmäßig als auch von der Anzahl der Bauten her größte Firma des Gebietes: Die Siemens Glasfabriken.

Ja Sie lesen richtig. Zur ursprünglichen Fabrik sind im Laufe der Jahrzehnte in Löbtau zwei weitere hinzu gekommen, was allgemein in den Darstellungen zur Geschichte des Unternehmens unberücksichtigt bleibt.

Doch zuerst stichpunktmäßig die wichtigsten Daten, die wiederum aus den Arbeiten von Erika Voigt und Holger Starke sowie aus meiner eigenen Sammlung stammen

  • 1862 gründete bzw. übernahm Hans Dietrich Siemens eine kleine Tafelglashütte zur Herstellung von Flachglas an der Ecke der heutigen Freiberger- und Fabrikstraße
  • 1867 übernahm Friedrich August Siemens das Unternehmen als Nachfolger seines zuvor überraschend verstorbenen Bruders und brachte seine langjährigen Erfahrungen aus England mit
  • in der Folge Einstellung der Tafelglasherstellung und Umstieg auf Behälterglas, Wein-, Bier- und Mineralwasserflaschen um
  • Oktober 1867 die von ihm entwickelte kontinuierlichen Schmelzwanne mit Regenerativ-Feuersystems ging in Dauerbetrieb
  • zwischen 1867 und 1871 Senkung der Selbstkosten um 26%
  • Produktionszahlen: 1867 30.000 Flaschen, 1878 1 Millionen Flaschen, 1884 24 Millionen Flaschen
  • Beschäftigte: vor 1875 400, 1886 1.150, 1903 also zur Einverleibung von Löbtau 701, davon viele aus Böhmen
  • 1872 Übernahme des Glaswerkes in Döhlen, heute Freital (das Werk produzierte ursprünglich Beleuchtungsgegenstände, heute noch Glasflaschen)
  • 1874 erste Feuerbestattung in Deutschland in einem gemeinsam mit Betriebsingenieur Richard Schneider entwickelten Verbrennungsofen (Bild dazu im Stadtteilheft)
  • 1879 Bau eines Zweigwerkes in Neusattl bei Karlsbad
  • weltweit erstmals Einführung von Porzellan-Bügelverschlüssen für Bier- und Mineralwasserflaschen
  • das Produktportfolio wurde ständig um weitere Glas- und Stanzerzeugnisse erweitert
  • die Produkte gingen zum größten Teil nach Nord-, Mittel- und Süddeutschland, sowie nach Österreich-Ungarn und Italien
  • 1887 Errichtung einer Stiftung für eine Pensions- und eine Witwen- und Waisenkasse
  • 1888 Umwandlung in eine von deutschen Banken kontrollierte Aktiengesellschaft in deren Zuge eine Vielzahl von Beteiligungen insbesondere in Böhmen, Schlesien und Österreich erworben wurden
  • 1888 war Siemens gemeinsam mit weiteren bekannten Dresdnern Gründer des Vereins „Volkswohl“, welcher ohne Klassenkampf und abseits von Alkohol die Lage der Arbeiter und ihrer Familien verbessern und natürlich deren Tugenden fördern sollte, ein durchaus ambivalentes Vorhaben (der Verein bestand bis 1950)
  • Bau von Mietshäusern für die Stammbelegschaft in der heutigen Oederaner Straße
  • 1904 verstarb Friedrich August Siemens und wurde im Familiengrab auf dem Neuen Annenfriedhof beigesetzt
  • 1909 Inbetriebnahme der Owens-Maschine zur automatischen Flaschenherstellung
  • 1911 kamen zwei Drittel der deutschen Flaschenglasproduktion aus den Siemens-Glasfabriken
  • 1931 bis 1938 krisenbedingte Einstellung der Glasflaschenherstellung
  • ab 1942 umfangreiche Rüstungsproduktion
  • 1946 enteignet und in den VEB Glaswerk Dresden bzw. den VEB Glaswerk Freital umgewandelt
  • 1985 VEB Vereinigte Beleuchtungsglaswerke Dresden im Kombinat Lausitzer Glas mit insgesamt 7 Betriebsteilen in Dresden, Bischofswerda, Coswig, Görlitz, Neupetershain, Radeberg und Welzow
  • 1985 VEB Glaswerk Freital im Kombinat Behälter- und Verpackungsglas Bernsdorf
  • während das Freitaler Glaswerk, wie schon erwähnt, weiter produziert, wurde das nach dem Weltkrieg übrig gebliebene Werk in den 1990er Jahren geschlossen und abgerissen
Glasflasche, Hessel / Sammlung Schmidt
Glasflasche, Hessel / Sammlung Schmidt

Das Glaswerk lag günstig, gleich am Kohle- und Güterbahnhof. In überschaubarer Entfernung fanden sich auch gleich die Großabnehmer wie die 6 Brauereien zwischen Friedrichstadt und Plauen sowie verschiedene Getränkeabfüller und -Händler zwischen Löbtau-Süd und dem Bahnhof Mitte. Zwar ist vom einstigen Glaswerk fast nichts mehr zu sehen, dennoch muß man zwischen Freiberger- und Tharandter Straße meistens nicht lange graben, um auf Flaschen zu stoßen, die mit großer Sicherheit bei Siemens hergestellt wurden.

Ein Beispiel dafür waren die Ausschachtarbeiten im ehemaligen Pulvermühlengelände zur Freilegung des Weißeritzmühlgrabens. Er war u.a. mit Unmengen von Glasflaschen verfüllt worden.

 

Bei allem unternehmerischen Erfolg darf nicht vergessen werden, daß viele Jahre lange Arbeitszeiten an bis zu 7 Tagen die Woche einschließlich Kinderarbeit die andere Seite der Medaille bestimmten, wie es auch in vielen anderen Fabriken üblich war. Vor allem die böhmischen Glasarbeiter lebten und arbeiteten unter erbärmlichen Bedingungen.

 

Einer, der beschloss, dem nicht mehr tatenlos zuzusehen, war Georg Horn. Nachfahren von ihm arbeiten gerade an einer Biografie und stellten uns vorab einige Informationen zur Verfügung, die ich durch zusätzliche Recherchen kann.

  • 08.1841 Georg Horn geboren
  • er lebte in Fabrikschleichach in Bayern und arbeitete in der dortigen Glashütte als Glasmacher
  • 1867 heiratete er Margarethe Bickel, musste aber kurz danach aus Fabrikschleichach fort gehen, da die Glashütte nach mehreren vergeblichen Rettungsversuchen 1867 ihren Betrieb endgültig einstellte
  • nach Stationen in verschiedenen Glashütten im Rheinland siedelte er nach Dresden über, wo bereits Verwandte wohnten, und begann in der Siemens-Glasfabrik zu arbeiten
  • 1873 Mitbegründer des Bundes der deutschen Glasarbeiter bzw. des Allgemeinen Glaskünstlerbundes Deutschlands (1878 wegen drohender Beschlagnahme der Gelder aufgelöst)
  • Horn wurde entlassen und fand als Glasarbeiter nie wieder eine Anstellung, er überlebte wohl erst mal nur durch die Hilfe der Verwandschaft
  • bis 1884 Produktenhändler (andere Quellen nennen1890 als Beginn des Geschäftes, von 1874 bis 1879 lebte Horn in Löbtau in der Wilsdruffer Straße, es sind verschiedene Hausnummern angegeben u.a. auch die Nr. 50 die in den Quellen immer wieder als Adresse für seinen Produktenhandel angegeben wird)
  • 1884 Begründer und Herausgeber „Der Fachgenposse“ Organ der Glasarbeiter
  • 1884 bis 1896 Mitglied des Gemeindekollegiums in Löbtau (Anmerkung: Gemeinderat)
  • 1890 bis 1896 Mitglied der Zweiten Kammer des Sächsischen Landtages
  • 1895 bis 1918 Mitglied des Deutschen Reichstages (Anmerkung: Georg Horn war Sozialdemokrat)
  • 1903 wurde Georg Horns ausführliche Arbeit zur Geschichte der Glasindustrie und ihrer Arbeiter veröffentlicht (Anmerkung: Georg Horn: Geschichte der Glasindustrie und ihrer Arbeiter, Verlag von Dietz Nachf., Stuttgart 1903, online über www.archive.org lesbar)
  • bis 1905 Redakteur der Zeitschrift der Glasarbeiter „Fachgenosse“
  • 08.1919 starb Georg Horn in seinem Haus in Lindenau bei Kötzschenbroda kurz vor seinem 78. Geburtstag (Anmerkung: heute Radebeul, Ortsteil Lindenau, zwischen Radebeul und Moritzburg)
  • er galt als „Patriarch der deutschen Glasarbeiterbewegung“

Übrigens verweist die Radebeuler SPD-Ortsgruppe auf Georg Horn.

(Fortsetzung folgt, Termin noch offen)

Danksagung

 

Erika Voigt stellte freundlicherweise der AG Löbtauer Geschichte ihr zitiertes Manuskript zur Auswertung zur Verfügung.

 

Bildquellen

 

  • Titelbild (LoebtauerGeschichtsblaettchenOnlineSeptember2018_1.jpeg): Montage, Uwe Hessel, 2018
  • Meilenblatt mit Weißeritzmühlgraben (LoebtauerGeschichtsblaettchenOnlineSeptember2018_2.bmp): Meilenblätter Sachsen, Dresdner Exemplar, Blatt 309, 1781, Ausschnitt, SLUB/Deutsche Fotothek, www.deutschefotothek.de/ete?action=queryZoom/1&index=freitext&desc=dd_hstad-mf_0000328&medium=dd_hstad-mf_0000328 (CC-BY-SA 4.0), Aufruf 04.01.2018, grafische Bearbeitung: Uwe Hessel, 2018
  • Glasflasche (LoebtauerGeschichtsblaettchenOnlineSeptember2018_3.jpeg), Hessel / Sammlung Schmidt
  • Grab von Friedrich August Siemens auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden-Löbtau (LoebtauerGeschichtsblaettchenOnlineSeptember2018_4.jpeg): Uwe Hessel, 2018

 

[1] Dubbers, Annette, Arbeitsgruppe Löbtauer Geschichte, Umweltzentrum Dresden e.V. (Hrsg.): Löbtau, Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils, Eigenverlag Annette Dubbers und Sandstein Verlag, Dresden 2018

[2] Anmerkung: Informationen zum Weißeritzmühlgraben bieten mehere ausfühliche Publikationen sowie die Informationstafeln im Weißeritzmühlenpark an der Oederaner Straße

[3] Pilz, Panorama von Löbtau, 1885, SLUB/Fotothek

[4] Anmerkung: Einen Überblick zu verschiedenen Aspekten der weiteren Entwicklung von Handel und Gewerbe sowie der sozialen Verhältnisse finden Sie im schon genannten Löbtauer Stadtteilheft.

[5] Voigt, Erika: Die Löbtauer Ortsgeschichte von 1880 – 2000, Manuskript

 

Juliausgabe

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Autoren: Marlis Goethe, Sonja Schmidt

Es war einmal ein Weg über die Weißeritz – Tor zu Löbtau

Eine Materialzusammenstellung auch unter Verwendung von www.dresdner-stadtteile.de

  • Der älteste Übergang über die Weißeritz hier in Dresden überhaupt.
  • Furt bzw. Holzbrücke, die regelmäßig bei Hochwasser zerstört wurde.
  • Mitte des 12.Jhd. wurde der Weg als Transport- und Postweg immer bedeutsamer

vom Kloster Altzella zum Klosterhof Leubnitz und Silbertrasse Freiberg – Wilsdruff – Dresden.

Karte K. Scheiblich, Von alten Wegen rings um Dresden, Heinrich Verlag Dresden,1930
Karte K. Scheiblich, Von alten Wegen rings um Dresden, Heinrich Verlag Dresden,1930

 

Im 16.Jhd

Anfang 18.Jhd

 

1704

 

 

 

1728

1781

Umbau der Brücke, sie bekam steinerne Pfeiler.

Ausbau der Wegenetze in Sachsen.

 

Neubau der Brücke als komplett steinerne Brücke, war ca. 5.60 m breit.

Als Besonderheit wurde im Brückenkörper eine Wasserleitung unter-gebracht, welche als “Gorbitzer Röhrfahrt” von Gorbitz bis zum Dresdner Schloss führte.

Teilregulierung der Weißeritz durch Oberlandbaumeister Pöppelmann

Straßenbaumandat – Reform des sächsischen Straßenbauwesens

 

1781

 

26.3.1811

10.7.1811

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1811

 

Einnehmerhaus 

 

Anordnung der Chaussierung der heutigen Kesselsdorfer Straße

Der Geheimen Finanzkanzlei wurde gemeldet, dass 2057 achtellige

Ruten (=9,326 km) fertiggestellt waren. Die Gesamtkosten betrugen

17856 thlr 19gr.

Um diese Kosten wieder hereinzubringen, soll Chausseegeld erhoben werden. Für die Errichtung eines Chausseehauses wird der Platz an der Löbtauer Brücke als der „schicklichste“ bezeichnet, weil hier die Einnahme nur auf einem bedeutenden Umweg umfahren werden kann“. Außerdem kreuzen sich hier zwei Straßen, die Freibergische Landstraße und die Kohlenstraße (die heutige Tharandter Straße).1

 

Die heutige Kesselsdorfer Straße wurde dann ab 1811 Freyberger Chaussee, ab 1871 Wilsdruffer Straße und ab 1904 Kesselsdorfer Straße genannt.

 

Neubau des Chausseehaus Architekt G. F. Thormeyer (1775-1842)

 

Die Löbtauer Weißeritzbrücke mit dem Chausseehaus im Jahre 1851 Das Löbtauer Chausseehaus (Gartenansicht).

H.G.Willige, Dorf Löbtau,S.41
H.G.Willige, Dorf Löbtau,S.41

Im Hintergrund die Pappeln an der Tharandter Straße

 

 

1812

 

 

 

 

1837

 

 

 

 

 

1862

 

1864

1875

1875

 

 

13.12.1885

 

 

 

 

um 1890

 

 

1898/99…

 

 

 

 

 

 

 

 

1.4.1888

 

 

 

1897

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1912

 

 

ab Mitte März zogen Truppen der Großen Armee Napoleons auf der

neu chaussierten Straße nach Osten. Anhaltende Nässe und der starke

Artillerietrain machten vielfache Ausbesserungen und eine Verstärkung

der Kiesdecke notwendig. Erneute Kostenentstanden, der König war

ungehalten.2

Bau der heutigen Brücke, die zunächst Chausseehausbrücke genannt wurde, bevor sie 1902 den Namen Bismarckbrücke erhielt.

1916 wurde an der Brücke eine Büste des “Eisernen Kanzlers” angebracht, die jedoch nach 1945 verschwand und erst 1998 durch eine Relieftafel aus der Kunstgießerei Lauchhammer ersetzt wurde.

 

Einführung der Gewerbefreiheit in Sachsen

 

Erster Löbtauer Bauplan vom Ratsgeometer Lehmann

Bebauungsplan zum Holzhof von K. A. Canzler

Bebauungsplan für die Erweiterung von Löbtau vom Geometer Emil Ueberall

 

die Chausseegeldeinnahme wird geschlossen. Nach der Einziehung wird das Grundstück dann auch verkauft.

 

 

 

Löbtau war mit 12908 Einwohnern eine der größten Gemeinden in Sachsen. Durch den rasanten industriellen Aufschwung finanziell recht gut gestellt, kann Löbtau sich eine Menge leisten und die Gemeinde wollte das natürlich auch zeigen:

Bau des Rathauses, des Luisenhauses, auch repräsentative Schulbauten, Parkanlagen und ebenso Prachtbauten der Unternehmer und Gewerbetreibenden entlang der Kesselsdorfer Straße …

 

 

Der Gastwirt Wilhelm Gustav Fröde erwarb das Grundstück des ehemaligen Chausseehauses.

er eröffnete dort im Erdgeschoß des neuen repräsentativen Wohn- und Geschäftshauses das “Restaurant zum alten Chausseehaus”.

Es musste sich gelohnt haben…. W.G. Fröde kaufte letztlich das angrenzende Grundstück. So konnte entlang der Tharandter Straße ein Hotelneubau errichtet werden. Mit dem späteren Namen

 

“Drei-Kaiser-Hof”.

 

So sollte an das “Dreikaiserjahr” 1888 erinnert werden, in welchem gleich drei deutsche Kaiser regierten: Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. Diese Namensgebung war naheliegender als die manchmal auch formulierte Deutung zur Erinnerung an das „Dreikaiser-treffen“ von Deutschland, Österreich und Rußland im Schloss Schönbrunn 1873

.

Am 27. Dezember 1902 fanden hier sogar die “Einverleibungs-Festlichkeiten” aus Anlass der bevorstehenden Eingemeindung Löbtaus nach Dresden statt.

 

 

 

 

ab 1914

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1926

 

 

 

1945

 

der Inhaber Zacharias Johannes Fröde erweiterte den Drei-Kaiser-Hof,

bzw. ab 1921 ließ er ein Kino mit 1000 Plätzen einrichten. Es war immer

eine angesagte Adresse für Familienfeiern, Jubiläen und Bälle.

 

Das Familiengrab Fröde befindet sich heute auf den Neuen Annenfriedhof, (ehemaliger Naußlitz-Löbtauer Friedhof)

 

führte Friedrich Richter als Pächter den Gaststättenbetrieb weiter. Auch das Kino erhielt nach einem Umbau mit Willy Schulze einen neuen Betreiber. Bis 1945 war es bekannt unter dem Namen “Drei-Kaiser-Hof- Tageslicht-Spiele”.

bei den Luftangriffen vor allem im April gab es auch in diesen Bereich der Kesselsdorfer Straße große Zerstörungen. Vom Drei-Kaiser-Hof blieben nur der Hoteleingang und Reste des Erdgeschosses stehen. Darin wurde

kurze Zeit später ein kleiner Bierausschank eingerichtet, im Volksmund die “Huschhalle“ genannt.

 

1970 wurde diese dann geschlossen.

Die heutige „Huschhalle“ war als „Imbiss am Dreikaiserhof“ auch mal eine

große Straßenbahnhaltestelle. Ihr Vordach tragen Säulen aus dem

Bauschutt vom zerstörten Löbtauer Rathaus.

Teils abgezäunt, notdürftig beräumt war

die Ecke Kesselsdorfer/ Tharandter

Straße lange Zeit eine verwilderte

Freifläche, aber immer gab es quer

einen Abkürzungsweg.

Weiter oben bis zur Gröbelstraße hin standen 2 Baracken für Lebensmittel und Möbel / Rundfunk und zeitweise war es der Standort des HO-Möbel-hauses “Das schöne Heim” (Möbelhaus West).

1975

28.6.1996 Letzteres wurde durch

einen Großbrand zerstört.

 

2000 gab es dort diesen Imbiss.

 

 

 

 

Die Gegenseite, also die Kesselsdorfer Straße 2-6, blieb im Zustand von 1945 bis Ende der

90iger Jahre fast unberührt. Erst mit den Brückenbaumaßnahmen und der geplanten

Hochstraße gab es auch hier Ideen.

An der Lübecker/ Löbtauer Straße sah es 2016 noch wie im folgenden Foto aus. Heute ist

die Fläche frei geräumt und soll ein Hotel(?) werden…

 

Kesselsdorfer Straße Nr. 2-6

noch teils große Bäume, 2 Wohnhäuser aus dem 19.Jhd. mit einem

Taschen-, Tabak/Spirituosen- oder Keramikladen … und das 1945

teilzerstörte Gebäude der Likörfabrik Max Herzog…

1996 Abbruch der Häuser und Bau-Informationstafel für ein Einkaufszentrum

 

1998 eröffnet dann Dresdens größter Gaststättenkomplex „Festival No.1“.

2 Restaurants mit Terrasse, Café mit Wintergarten, 2 Bars, Weinkeller,

Spielkasino und 4 Kegelbahnen. Aber die Gäste strömten nicht wie geplant. 2000 die Betreiber änderten das Konzept, mehr Läden sollten es nun sein.

Der dann auch neue Name „Drei-Kaiser-Hof“ irritiert so manchen Löbtauer bis heute. Einfach enttäuschend.

Ein Haus mit viel Raum und Möglichkeiten ist heute doch fast mehr ein Gesundheitshaus.

Löbtau-Center Quelle M.Goethe
Löbtau-Center Quelle M.Goethe

 

2013-15 erfolgte anschließend an den neuen Drei-Kaiser-Hof bis zur Ecke

Gröbelstraße hin der Bau eines weiteren Wohn- und Geschäftshauses.

2008 Bebauung der Fläche des ehemaligen Drei-Kaiser-Hofes . . .

Es geschah aber nicht wie damals als Restaurant – Saal – Hotel, sondern als Einkaufszentrum, genannt Löbtau-Passage. Im Juni 2009 fertig, kann man beim Durchqueren der Erdgeschosszone von der Tharandter zur Kesselsdorfer Straße. oder umgekehrt gelangen. Es gibt innen und straßenseitig zahlreiche Verkaufseinrichtungen. In den zwei Geschossen darüber befinden sich 2 Parkdecks mit insgesamt 350 möglichen Parkflächen, erreichbar durch eine Rolltreppe und Fahrstuhl. Das oberste Parkdeck ist eigentlich immer ungenutzt …

Beim Bau der Löbtau- Passage wurde auch der Mustersaal der ehemaligen Lampenfabrik Seifert auf der Gröbelstraße rekonstruiert. Hier hatte 1906 die erste öffentliche Ausstellung der “Brücke”-Künstler stattgefunden. Dieses nun neue Gebäude wäre ein tolles Ortteilszentrum geworden… ist aber heute ein Allgemeinmedizinisches Zentrum.

Brückenbaumaßnahmen an der Löbtauer/Tharandter Straße

1965

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1994/ 95

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1998

 

 

 

 

 

 

 

2002

 

 

vorbereitend für den Bau der Nossener Brücke

 

Unmittelbar neben der alten historischen Brücke, über die auch weiterhin die Straßenbahngleise verlaufen, wurde eine neue Stahlbetonbrücke angesetzt –36,7 m lang und ca. 12 m breit. Diese wird dann nur vom Autoverkehr genutzt.

 

Die Sanierung der heute offiziell immer noch unbenannten historischen Brücke wurde abgeschlossen. Die 3 Daten sind an der Brücke sichtbar…

 

Beim Weißeritz-Hochwasser im August wurden beide Brücken in

Mitleidenschaft gezogen, wenig später jedoch repariert.

 

 

Bau der Hochstraße – Löbtauer Brücke

 

1988 für die neue Straßen-bzw. Brückenführung musste 1988 das Eckhaus Freiberger Str.134 weichen. Ein sehr markantes Gebäude mit Turm und Steinreliefs, in dem eine Apotheke und Arztpraxen waren

1995 noch eine beeindruckende Baustelle.

29.11.1996 offizielle Einweihung der Brücke.

Die Hochstraße hat 2 baulich getrennte Fahrbahnen mit jeweils 2 Fahrstreifen und ist 998 m lang. Nach der Fertigstellung des Bramschtunnels 2002 wurde die B 173 von der Kesselsdorfer auf die Coventry- und diese Hochstraße verlegt und ist so der neue Zubringer zur A17.

2018 die neugestalteten Floßhofterrassen gehören zum Weißeritzgrünzug.

Es ist spannend, ob und wie die Kesselsdorfer Straße insbesondere im Bereich nahe der Tharandter Straße ein Boulevard zum Bummeln wie in früheren Zeiten wird.

Verändert und gebaut wurde schon eine Menge

2009 geht es durch Planvorschläge der Stadt um die „Aufwertung des

Ortsteilzentrums Kesselsdorfer Straße mit Ausbau der Zentralhaltestelle“.

2013 wird dies bestätigt, aber immer wieder und weiterhin viel diskutiert.

2018 jetzt im Sommer finden bauvorbereitende Maßnahmen für die künftige

Verkehrsführung statt, um dann auch mit dem Bau der Zentralhaltestelle beginnen zu können.

Die Schließung der z.Z. noch offenen Baulücken zwischen Reisewitzer Straße und Bünaustraße und die Gestaltung der Kesselsdorfer Straße überhaupt sollten sehr genau beobachtet, diskutiert und von allen dann mitgetragen werden.

Berichtigungen, Hinweise, Ergänzungen bitte an geschichte@loebtau.org

 

Weitere Informationen

H.G.Willige, Dorf Löbtau, Dresden 1937

Falland, Geschichte des Ortes Löbtau, 1896, digitalisiert von der SLUB Dresden

www.löbtau.org/institutionen/135/36/Super8-Sprengung-aerztehaus-1988

www.altesdresden.de

www.dresden.de › … › Brennpunkte › Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße

 

Quellenangabe

Seite 1

Seite 2

 

 

Seite 3

Seite 4

Seite 5

Seite 6

 

 

Seite 7

Seite 8

Seite 9

 

 

 

Karte K. Scheiblich, Von alten Wegen rings um Dresden, Heinrich Verlag Dresden,1930

1 H.G.Willige, Dorf Löbtau,S.41

2 H.G.Willige, Dorf Löbtau,S.44

2 Bilder aus H.G.Willige, Dorf Löbtau,S.42,43

Postkarte von 1912, Archiv F.Fritzsche

3 Anzeigen, Archiv F.Fritzsche // Foto Mitte, M.Goethe // Foto Unten, Archiv F.Fritzsche

Foto 1-4, Archiv F.Fritzsche // Foto Unten, M.Goethe

Foto1, P .Bartels // Foto2, M.Goethe

Textquelle – H. Ruhnau, Vom Gastronomietempel zum Gesundheitshaus, Sächs. Zeitung vom 15.5.2003

Foto1-4, M.Goethe

Foto Oben, Archiv F.Fritzsche // Foto Mitte, P.Bartels // Fotos Unten, M.Goethe

Foto 1-2, P.Bartels // Foto3-5, M.Goethe

 

Löbtauer Geschichtsblättchen Online

herausgegeben von der Arbeitsgruppe Löbtauer Geschichte aus Anlass des 950. Stadtteiljubiläums 2018

Juniausgabe

Autor: Peter Bartels

Klingestraße 6

Bis 1989 wurden durch die Initiative der Bürger Wohnungen und Häuser vor dem Verfall gerettet
Eine gute Wohnung war in der DDR ein großer Luxus. Wer eine Wohnung brauchte, bekam eine zugewiesen und konnte nur geringen Einfluss auf die Wohngegend und die Wohnungsgröße nehmen. Wer Glück hatte, erhielt eine für damalige Verhältnisse gut ausgestattete Neubauwohnung. Dafür musste man aber in Kauf nehmen, in einem Wohnriegel und in der Regel auch in einem neuen Stadtteil zu wohnen, der nur aus neu errichteten Wohnungen des komplexen Wohnungsbaus bestand. Glücklich war aber auch, wer eine Wohnung in einem Altbau in einem interessanten alten Wohngebiet bekam. Wer dann noch über handwerkliche Fähigkeiten verfügte, machte aus seiner Wohnung, die sich oft in einem vom Verfall betroffenen Haus befand, ein Schmuckstück. Um in ihrer Wohnung bleiben zu können, retteten die Mieter oft auch das ganze Haus.

So war es auch im Dresdner Stadtteil Löbtau in der Klingestraße 6

Rettung für ein 16-Familienhaus

Das Haus Klingestraße 6 etwa 1988. Das Dach und die Haustür sind bereits fertig.
Das Haus Klingestraße 6 etwa 1988. Das Dach und die Haustür sind bereits fertig. Bild: Peter Bartels

Das Leben geht bekanntlich seltsame Wege, auch Umwege. Durch meine jetzige Frau kam ich 1983 nach Dresden. Sie wohnte damals mit ihrer Tochter im obersten Geschoß eines Gründerzeit-hauses in der Klingestraße 6. Drei Zimmer, eins davon als Durchgangszimmer und wie üblich mit Ofenheizung. Es gab eine kleine schmale Küche, aber kein Bad, nicht einmal eine Dusche. Es war schon ein kleiner Luxus, dass die Außentoilette, anders als sonst üblich, nur für diese Wohnung zur Verfügung stand. Auf der Etage befanden sich noch drei weitere Wohnungen. In den beiden Wohnungen links von uns lebten Frau Elly H. und Herr Georg J., die bereits im Rentenalter waren. In der Wohnung rechts von uns hatte einmal Herr Mathias R. gewohnt. Meine Frau und auch andere Haus-bewohner haben ihn zwei Jahre lang nicht gesehen. Er lebte inzwischen im Erzgebirge in Rechenberg-Bienenmühle.

Es war damals üblich, eine Wohnung, für die man einmal eine Zuweisung erhalten hatte, nicht aufzugeben. Es hätte ja sein können, dass die neue Partnerschaft auseinanderbricht und man dann zurück in seine Wohnung ziehen will. Wohnungen waren zu DDR-Zeiten knapp. Lieber zahlte man im Zweifel die niedrige Miete, als sie aufzugeben.

Da wir gern in unserer Wohnung auch ein Bad haben wollten und auch ein weiteres Zimmer angenehm gewesen wäre, fuhr ich Anfang 1984 voller Hoffnung zu Herrn R. ins Erzgebirge. Für 500 Mark und das Versprechen, wenn ich eine Zuweisung (Mietvertrag) für die Wohnung erhalte, sollte er weitere 500 Mark erhalten, gab er mir die Schlüssel.
Mit dem Schlüssel in der Tasche fuhr ich erwartungsfroh nach Hause. Meine Freude war aber nur kurz. Die Wohnung war total vermüllt, aber als viel schlimmer erwies sich, dass dort in der Küche der echte Hausschwamm wuchs. Die typischen Fruchtkörper des holzzerstörenden Pilzes waren gleich an mehreren Stellen zu sehen. Verursacht wurde der Hausschwamm, weil über dem Küchenfenster zwei kleine Dachplatten fehlten und so über eine lange Zeit die Dachbalken vom Regen durchnässt wurden.

Nun hatte ich es eilig, für diese Wohnung eine Zuweisung bei der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV) zu beantragen. Ich wurde freundlich empfangen und man bedankte sich dafür, dass ich eine freie Wohnung meldete. Aber im gleichen Atemzug teilte man mir mit, dass ich für diese Wohnung keine Zuweisung (Mietvertrag) erhalten werde. Wohnungen würden schließlich nach Dringlichkeit vergeben und ich könnte wohl keine Dringlichkeit nachweisen. Auch der Hinweis, dass die Wohnung aufgrund der baulichen Mängel nicht vermietbar ist, änderte nichts an der Meinung der Mitarbeiterinnen. Erst nach einer Besichtigung der Wohnung, in der wir die Vermüllung noch nicht beseitigt hatten, bekam ich die Zusage die Wohnung nutzen zu dürfen.

Die Zuweisung für diese Wohnung erhielt ich etwa Mitte 1984, jedoch nur, weil ich mich verpflichtet hatte, den Hausschwamm zu beseitigen.

Unmittelbar nach dieser Zusage wurde die undichte Stelle im Dach geschlossen. Danach benötigten wir mehrere Tage, um die völlig vermüllte Wohnung zu säubern.

Da ich zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn ein Handwerk erlernt und hier auch einen Meisterbrief erworben hatte, war ich sicher, die baulichen Herausforderungen zu meistern um die Wohnung bewohnbar zu machen.
Durch Zufall traf ich einen Zimmermann, der die vom Hausschwamm befallenen Balken auswechseln wollte. Da sich meine Baustelle in etwa 15 Meter Höhe befand und ich hier in Dresden noch keine Verbindungen hatte, hoffte ich auch auf Unterstützung vom Bauhof der KWV. Was ich brauchte, war ein Baugerüst für die Höhe von 15 Metern und für fünf Metern Breite. Der freundliche Bauhof-Mitarbeiter versprach, sich um ein Gerüst zu kümmern.

Um den Befall mit dem echten Haus-schwamm nachweisen zu können, lies ich auch ein Holzschutzgutachten anfertigen. Der Gutachter bestätigte, dass, um weitere Schäden zu vermeiden, möglichst zügig mit den Arbeiten begonnen werden sollte. So ging ich jede Woche zum Bauhof der KWV und fragte nach dem Gerüst. Und immer erhielt ich die freundliche
Für den Gutachter wurden die von Hausschwamm befallenen Balken freigelegt

Antwort, man kümmere sich. Nur, es passierte nichts. Als ich das vierte oder fünfte Mal vorsprach, folgte mir beim Herausgehen ein Bauhofmitarbeiter aus dem Nachbarzimmer und verriet mir, ich könne noch zig Mal kommen, aber es gebe schlicht und einfach kein Baugerüst vom Bauhof.
Was sollte ich nun tun?

Die Beseitigung des Hausschwammes war die Voraussetzung dafür, dass auch wir in dem Haus wohnen bleiben konnten. Da kam mir zugute, dass ich mich, als ich nach Dresden kam, für eine Arbeit in einem Dresdner Krankenhaus entschieden hatte. Im Krankenhaus wurden immer irgendwelche Bauarbeiten ausgeführt. So lagen dort auch ständig Gerüstteile herum. Es fehlten einfach Transportkapazitäten und so blieben die Gerüste einfach liegen, bis sie zur nächsten Baumaßnahme wieder benötigt wurden. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Bauleiter und einem Kasten Bier durfte ich mir die erforderlichen Gerüstteile ausleihen. Daraus wurde, was anfangs nicht beabsichtigt war, eine Dauerleihe bis 1990. Wie man damals sagte, erfüllte ich mit meiner Initiative nur eine Vorgabe vom damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, der einmal sagte: „Aus unseren volkseigenen Betrieben lässt sich noch viel mehr herausholen.“

Nun hatte ich zwar Gerüstteile aber auch das Transportproblem. So kaufte ich für meinen Trabant einen Anhänger, den größten, den es gab, welcher deutlich breiter war als das Auto. Das erstaunliche bei diesem Kauf war, dass der Kauf ohne Anstehen und Warten erfolgte. Nun fehlten für das Gerüst nur noch die Holzbohlen als Belag. Und wieder half ein Kasten Bier das Problem zu lösen. Da alle Aktionen doch einige Zeit brauchten, war es inzwischen Herbst geworden. Für die Dacharbeiten hätten wir aber mehrere Tage trockenes Wetter benötigt, die nun nicht mehr zu erwarten waren. Das Risiko, das Dach für die Schwammsanierung zu öffnen, war zu hoch.

Wir machten aus der Not eine Tugend und begannen, ein Zimmer meiner Wohnung zu einem Bad umzubauen und es der Wohnung meiner Frau zuzuordnen. Für die damaligen Verhältnisse war die Ausstattung des Bades purer Luxus, wir legten Fliesen auf den Fußboden, bauten einen 80-Liter Boiler und eine Gasheizung ein. Nur für ein WC hätte die Abwasserleitung durch alle Etagen erneuert werden müssen. Für diese Arbeiten fehlte uns die Zeit, zudem wären die Mieter unter uns zu stark belastet worden, ohne selbst einen Nutzen davon zu haben.

Wir brauchten aber ein neues WC, weil der Raum auf der halben Treppe, in dem sich unsere Toiletten befanden, auch vom Hausschwamm betroffen war. So baute ich im Flur meiner Wohnung, wo ausreichend Platz vorhanden war, eine Toilette und später auch noch eine Dusche ein. Die Wand zwischen unseren Wohnungen wurde erst nach dem Ende der Schwammsanierung geöffnet. Nach dem Abschluss der Sanierung hatten wir für drei Personen eine Wohnung mit etwa 120 m². Aus dem alten Außen-WC wurde eine Dunkelkammer, in der ich später meine Fotografien entwickeln konnte.
Beim Badeinbau traten aber zwei Probleme auf: Die vorhandene Gasleitung war bereits seit Jahren in einem jämmerlichen Zustand und dringend erneuerungsbedürftig. Ein weiterer Gasanschluss für unsere geplante Gasheizung im Bad war nicht genehmigungsfähig und die Elektroinstallation reichte gerade aus, um ein großes Elektrogerät (Waschmaschine) in der Wohnung betreiben zu können. Wurde ein zweites Gerät benutzt, schaltete die Sicherung

den Strom ab. Um in der Wohnung von meiner Frau den 80 Liter E-Boiler anschließen zu können, wurde der Strom aus meiner Wohnung genutzt. Für die Erneuerung der Gasleitung konnte ich die PGH Haustechnik gewinnen. Anfang 1985 konnten wir so bereits unser neues Bad in Betrieb nehmen.

Im Herbst 1984 kontrollierte ich das gesamte Dach, da bereits im Wohnzimmer meiner Frau ein nasser Fleck an der Decke zu sehen war. Besonders kritisch sah das über 50 Jahre alte Zinkblech aus, das an der Straßenseite hinter dem Giebel verlegt worden war. Hier haben wir auf die schadhaften Stellen unter schwierigen Bedingungen provisorische Dichtungen aufgetragen, indem mit einer Lötlampe eine Teerbinde auf das Zinkblech geklebt wurde. An einigen Stellen mussten wir auch Asbestzementschindeln durch Dachpappe ersetzen. Um ein Eindringen der Feuchtigkeit zu verhindern, haben wir im Winter den Schnee vom Dach hinter dem Giebel entfernt. Diese frühen Dacharbeiten erfolgten unter Missachtung sämtlicher Arbeitsschutzvorschriften. Im Frühjahr 1985 konnte endlich das Baugerüst für die Schwammsanierung aufgestellt werden.
Hierfür brauchte ich Helfer.

In der DDR wurden vorrangig Arbeitsplätze in der Industrie gefördert so dass beim Handwerk ein permanenter Arbeitsmangel bestand. Weil im Hand-werk nicht ausreichend Handwerker zur Verfügung standen, hatte die DDR-Regierung bereits 1975 die Feierabendtätigkeit im „Gesetzblatt 35“ geregelt. Jeder Bürger konnte für 5,50 Mark pro Stunde, an Sonntagen für 6,50 Mark, Feierabendarbeiten ausführen. Der Arbeitgeber musste dies jedoch genehmigen. Aufgrund meiner Tätigkeit in einer technischen Abteilung fand ich auch Handwerker, Ingenieure und Freunde, die mich bei meinen Arbeiten unterstützen wollten. Die Erlaubnis zur Ausführung von Feierarbeiten wurde niemandem verweigert. Aber für 5,50 Mark wollte niemand mehr arbeiten. So wurde einfach die Zeit der Arbeit verdoppelt und jeder Helfer bekam an Werktagen 11 Mark für die Arbeitsstunde ausgezahlt.

Der Arbeitsaufwand und die Kosten für das legal erworbene Baumaterial, für das eine Rechnung vor-gelegt werden konnte, wurden von der KWV bezahlt. In der Regel erfolgte dies auch zügig. Aber jeden Kasten Bier oder Arbeitsmaterial, das es nur ohne Rechnung gab, musste ich selbst von meinem Arbeitslohn bezahlen. Dazu zählte auch die Versorgung meiner Helfer mit Getränken und Speisen.

Das Baugerüst haben wir zu viert, von denen niemand zuvor ein Baugerüst aufgestellt hatte, errichtet. Da auch ich noch nie ein Baugerüst aufgestellt hatte, besorgte ich mir alle Vorschriften, um die Helfer ordnungsgemäß in Sachen Arbeitsschutz zu belehren. Der vom mir engagierte Zimmermann, der auf der Wernerstraße seine kleine Werkstatt hatte und sein einziger Mitarbeiter war, zeigte sich zum Glück immer noch bereit, die vom Schwamm befallenen Holzbalken auszuwechseln. Nach der Terminvereinbarung begann ich die befallenen Balken freizulegen und stellte dabei fest, dass der Hausschwamm viel weiter gestreut hatte als vermutet. Der Schwamm hatte sich in den Fugen des Mauerwerks festgesetzt und war in die tragenden Balken im Fußboden eingedrungen. Auch diese Balken mussten zum Teil erneuert werden. Auch hier hatte ich Glück, denn die Mieterin unter mir zog zu ihrer Tochter. So konnten wir den Fußboden öffnen. Durch diese zusätzlichen Arbeiten kam ich jedoch in Zeitnot. So habe ich am Abend bevor der Zimmermann mit seiner Arbeit beginnen wollte, bis nachts um zwei Uhr auf dem Gerüst gestanden und die Ziegelsteine vom Simms neu gemauert. Das verursachte natürlich Lärm, der andere Bewohner in ihrer Nachtruhe störte. Aber letztlich haben alle Mitbewohner dies geduldig ertragen und die Arbeiten unterstützt. Der Schwamm in meiner Wohnung war so gut es ging beseitigt, wenn auch nicht durchgängig nach der TGL-Norm. Um einen erneuten Schaden zu verhindern, haben wir reichlich Chemie eingesetzt, was heute so nicht mehr möglich wäre.
Als nächstes begann ich mir auch über die Dach-deckung, die aus Asbestzement-Schindeln bestand und die bereits an etlichen Stellen schadhaft war, Sorgen zu machen. Also beschloss ich, die gesamte Dachdeckung zu erneuern. Dafür reichten jedoch die organisierten Gerüstteile mit fünf Metern Breite nicht aus. Ich brauchte weitere zehn Meter. Glücklicherweise erhielt ich ein Angebot für sieben Meter lange Gerüstrohre. Die mussten aber aus Blasewitz abgeholt werden – etwa 15 Kilometer vom Haus entfernt. Selbst nachdem ich die Sitze meines Trabants ausgebaut und die Gerüstrohre bis zum Armaturenbrett gelegt hatte, ragten sie noch gut zwei Meter über den Anhänger hinaus. Wenn mich die Polizei angehalten hätte, hätte ich vielleicht die unzulässige Überlänge erklären können, aber nicht, woher die Gerüstrohre stammten und wohin ich damit wollte. Da half mir erneut unser Staatsratsvorsitzender Erich Honecker. Er kam an einem Vormittag nach Dresden. Ich ging davon aus, dass die Polizei voll mit Honeckers Sicherheit beschäftigt ist und nutzte diese Zeit, um die Rohre sicher durch die ganze Stadt zu transportieren. So bekam ich alle Gerüstteile zusammen und konnte den Teil des Daches über meiner Wohnung erneuern. Auch für die Dacharbeiten fand ich Handwerker auf Feierabendbasis. Und es war kaum zu glauben, Dachpappe und Schindeln gab es auch ohne anzustehen.

In meiner Küche befand sich neben dem Fenster eine Dachluke. Das hat mir nicht gefallen. Ein bekannter Tischler in Thüringen hatte noch ein schräges Dachfenster, Weimarer Fenster genannt, und eine Hoftür. Unsere war nicht mehr vorhanden, der Eingang war mit Balken verschlossen. So fuhr ich mit dem Trabi samt Anhänger nach Erfurt. Meine Küche bekam ein modernes zweites Fenster und die Bewohner des Hauses freuten sich über eine wieder nutzbare Hoftür.

Nun war eigentlich alles erledigt, was ich mir vorgenommen hatte. Doch was nützt mir die Sanierung, wenn der Hausschwamm an anderer Stelle im Gebäude weiterhin vorhanden war? Schließlich war die Dachdeckung älter als 20 Jahre und das an einigen Stellen eingesetzte Zinkblech hatte bereits mehr als 50 Jahre hinter sich und war dringend zu erneuern. Die Mansarde und auch die Decke über der Wohnung verfügten kaum über eine Wärmedämmung. Auf dem Dachboden gab es auf dem letzten Meter vor dem Dach nicht einmal die sonst übliche Schüttung aus Lehm. So haben wir im Zusammenhang mit der Dachsanierung auch alle Mansardenwände geöffnet, was eine kluge Entscheidung war, denn einige Balken waren angefault und mussten ersetzt werden. Wie befürchtet, war im Wohnzimmer meiner Frau auch der echte Hausschwamm vorhanden. Durch die Feuchtigkeit, die durch kleine Öffnungen in das Haus kam, hatte sich auch eine Vielzahl von Ameisen eingenistet. Die Balken wurden erneuert, die Mansarden wurden mit Mineralwolle wärmegedämmt und es wurde auch eine Dampfsperre eingebracht.

Die nun vorhandenen Gerüstteile reichten aus, um eine Fassadenseite zur Hälfte einrüsten zu können. Neunmal haben wir am Ende das Gerüst umgesetzt. Es dauerte bis 1988 bis das gesamte Dach fertig war. Danach wurde das Gerüst noch an der Straßenseite zum Verputzen der Fassade aufgestellt.

Die für die Dacharbeiten benötigte Dachpappe und die Dachschindeln gab es zum Glück immer zu kaufen. Aber wir brauchten auch Zinkblech für die Arbeiten am und hinter dem Giebel auf der Fassadenseite. Das gab es bei keinem Handwerker. Ich erhielt aber den Rat, es doch einmal mit einem Antrag bei einer Zulassungsstelle in Freiberg zu versuchen. Mit wenig Optimismus stellte ich den Antrag für vier Tafeln Zinkblech und bekam zu meiner Überraschung sehr bald die Zusage, diese kaufen zu dürfen die ich auch gleich bekam.

Auch die Schornsteine bröckelten schon und hätten eigentlich nicht mehr benutzt werden dürfen. Vom Schornsteinfeger erhielt ich die Bretter und die Halterungen, um zeitgleich mit der Dachdeckung auch den Zugang zu den Schornsteinen wieder herstellen zu können. Aber ich brauchte auch Klinker (besonders haltbare Ziegelsteine), um die Schornsteinköpfe neu mauern zu können. Diese gab es nicht. Glücklicherweise hatten wir im Krankenhaus gerade eine Baustelle beendet, bei der noch Klinker übrig geblieben waren. Wieder löste ein Kasten Bier das Problem. Ich legte zwei Lagen Klinker in meinen Anhänger und fuhr damit in einer verkehrsarmen Zeit nach Hause. An einer kleinen Steigung an der Löbtauer Straße verschätzte ich mich und musste vor einer Ampel halten. Beim Anfahren begann die Kupplung zu Qualmen. Ich schaffte es zwar noch bis nach Hause, danach brauchte mein Trabant eine neue Kupplung. Im Nachgang ermittelte ich, dass ich meinen Anhänger mit etwa 1,2 Tonnen beladen hatte. Für den Trabant war aber nur eine Anhängerlast von 300 Kilogramm zugelassen.

Den Transport der Klinker vom Hof bis zum Boden übernahmen erfreulicherweise die Rentnerinnen in unserem Haus.
Es war schon eine Leistung, in vier Jahren und nach achtmaligem Umstellen des Gerüstes das Dach zu decken. Es mussten ja immer Handwerker und Helfer Zeit haben und wir brauchten zum Öffnen des Daches regenfreie Tage. Wir hatten Glück, es nieselte höchsten Mal. Zum Glück wurden außer in unserem Wohnzimmer keine weiteren erheblichen Schäden an den tragenden Balken gefunden. Umeinen besseren Zugang zu erhalten, stellte ich einen Bauantrag, um im Hinterhaus eine Garage errichten zu können. So erhielt ich ein gut zugängiges Lager und eine Werkstatt mit einem vernünftigen Eingang. Der Trabant hatte aber nie in der Garage gestanden. Da ich nun auch das Hinterhaus besser nutzen konnte, wollte ich mir noch einen Traum erfüllen und stellte den Antrag einen eigenen Handwerksbetrieb eröffnen zu dürfen. Da in der Nähe aber bereits der Klempner „Rink“ tätig war, erhielt ich für einen Handwerksbetrieb in Löbtau keine Genehmigung. So zog in die freien Räume des Hinterhauses ein Elektriker ein. Was wiederum ein Glück für unser Haus war, denn die Elektrik im Haus stammte noch aus den 1930er Jahren. Es gab für jede Wohnung nur einen Stromkreis und der war nur mit sechs Ampere abgesichert. Das reichte beispielsweise nur für die Wachmaschine. Wurde ein zweites Gerät angestellt, schaltete die Sicherung den Strom ab.

Der Elektriker bekam von der KWV den Auftrag, in unserem Haus eine zeitgemäße Elektro-installation einzubauen. Der Auftrag reichte aber nicht, denn es gab keine Elektrokabel und für ein Haus mit 16 Wohnungen wurden einige Meter benötigt. So bin ich nach Schwerin gefahren und habe alte Beziehungen aufleben lassen. Am Ende fuhr ich mit den Elektrokabeln und sonstigem Zubehör zurück nach Dresden. So bekamen alle Hausbewohner eine zeitgemäße Elektroinstallation vorerst allerdings nur bis zum Sicherungskasten in der Wohnung. In den Wohnungen haben die Bewohner dann nahtlos weiter gebaut.

Immer wenn bei der Dachdeckung eine Pause eintrat, nutzte ich die Zeit für andere Arbeiten. So habe ich auf dem Dachboden über unserer Wohnung eine Wärme-dämmung eingebracht. Aufgrund der geringen Höhe war das ein Baden in der Mineralwolle. Für diese Arbeiten wurde ich aber gut entschädigt, denn unter einem der Bodenbretter fand ich eine un-geöffnete Flasche Weinbrand. Ich vermute, dass diese Flasche bei der Errichtung des Hauses von den Handwerkern dort versteckt und dann vergessen wurde. Obwohl die Flasche gut 100 Jahre Hitze und Kälte aushalten musste, hatte der Weinbrand noch einen ausgezeichneten Geschmack. Alle die ihn probierten, waren voll des Lobes.

Die letzte große Herausforderung waren die Arbeiten in der Wohnung meiner Frau. Dort wollten wir aus zwei Zimmern ein großes Wohnzimmer mit 34 m² gestalten. Zum Glück verfügte die Wand zwischen den Zimmern über keine tragende Funktion und konnte somit leicht entfernt werden. Allerdings hatten die Dielen in beiden Zimmern eine unterschiedliche Höhe. Ein viel größeres Problem war der Hauschwamm, der selbst einen tragenden Balken im Fußboden angegriffen hatte. Auch hier half der Zimmermann. Die Wohnung unter diesen Räumen war allerdings bewohnt und die Mieter haben mit Geduld den Lärm ertragen, den ich nicht vermeiden konnte. Es gelang mir aber, den Fußboden zu öffnen und das befallene Balkenstück zu ersetzen ohne dass in der Decke der unter uns liegenden Wohnung ein Schaden entstand. Anfang Dezember hatten wir den Fußboden fast fertig. Als Belag hatte ich wie damals üblich einen PVC Belag eingeplant. Meine Frau hatte aber andere Vorstellungen, also suchte ich in Dresden-Reick „Am Anger“ die „Erste PGH der Parket- und Linoleumleger auf und wollte Parket für den Fußboden bestellen.

Ich rechnete damit, das Parkett nicht vor Ostern zu bekommen. Doch dann kam vom Parkettleger plötzlich die Frage: „Wann sollen wir das machen?“ Fast hätten wir Weihnachten einen neuen Parkettboden gehabt. Wir haben dann aber darauf verzichtet, denn durch die erforderliche Versiegelung und den damit verbundenen Geruch hätten wir mindestens eine Woche lang das Zimmer nicht benutzen können. So feierten wir Weihnachten noch auf einer Baustelle. Aber Ende Januar war alles vergessen und wir konnten nun unser großes Wohnzimmer ohne Einschränkung nutzen.

1988 begann die Haustür erheblich zu schwächeln. Aufgrund von Problemen mit den unteren Sandsteinsäulen hatten sich die Scharniere verzogen und die Tür ließ sich nicht mehr verschließen. So wurde in unserer Krankenhaus-Schlosserei ein neuer Türrahmen aus Stahl und für die Stufe am Eingang ein Rahmen hergestellt, um zusammen mit der Türreparatur auch den maroden Eingang erneuern zu können.

Noch 1989 wurde das Baugerüst an der Frontfassade aufgestellt und damit begann die nächste Etappe der Sanierung des Hauses, das Verputzen der stark verwitterten Fassade. Diese Arbeiten wurden Anfang 1990 von der PGH Süd West ausgeführt.

Mit der Erneuerung der Sanitärinstallation wollte ich erst 1990 beginnen, denn vom 5. September bis zum 16. Oktober 1989 wollte ich meine einzige Westver-wandtschaft, die in Australien lebte, besuchen. Für die Vorbereitung dieser Reise brauchte ich Zeit.

Als ich im Oktober 1989 aus Australien zurückkam, habe ich mich der „Gruppe der 20“ angeschlossen und dort aktiv in den Arbeitsgruppen zum Erhalt der alten Bausubstanz mitgearbeitet. Ab November 1989 leitete ich die Arbeitsgruppe Bauen
und Wohnen. Ein Mitglied dieser Gruppe machte am 23. Dezember 1989 den Vorschlag, in Dresden einen Mieterverein zu gründen, um frühzeitig Bürgerinnen und Bürger bei deren Problemen rund um das Wohnen unterstützen zu können. Der Mieterverein wurde schließlich am 13. März 1990 gegründet.

Nach der Wiedervereinigung im Oktober 1990 wurde damit begonnen, Häuser an alte Eigentümer zurückzugeben. So geschah es auch mit dem Haus auf der Klingestraße 6. Ein Mitglied der Erbengemeinschaft bedankte sich noch für die Aktivitäten zum Erhalt des Hauses. Dieses wurde aber bald danach an einen Steuerberater aus dem Westen Deutschlands verkauft.

1996 hatte der neue Eigentümer eine sehr einfache und primitive Sanierung im Haus ausführen lassen.
Der von mir ausgeführten Sanierung des Daches hatte ich eine Lebensdauer von etwa 15 Jahren zugeordnet. Im Jahr 2003, als wir das Haus verlassen haben, waren 13 Jahre davon vergangen. Eine umfassende und solide Sanierung des Hauses wurde im Jahr 2016 von einem neuen Eigentümer ausgeführt.

 

 

Löbtauer Geschichtsblättchen Online

herausgegeben von der Arbeitsgruppe Löbtauer Geschichte aus Anlass des

  1. Stadtteiljubiläums 2018

 

Aprilausgabe

Autor: Uwe Hessel

Die April-Ausgabe des Löbtauer Geschichtsblättchens hier als PDF zum Download

Beitragsbild: Die Reisewitzer Brauerei 1962, Quelle: Riess/Stadtplanungsamt Dresden

Bier und Ziegel: Einblicke in die Geschichte der Reisewitzer Brauerei

Die Reisewitzer Brauerei (Quelle: Nachlass Pleissner)
Die Reisewitzer Brauerei (Quelle: Nachlass Pleissner)

In den letzten Jahren hat sich auf einem Gelände im Gebiet zwischen Mohorner-, Reisewitzer- und Altfrankener-/Wiesbadener Straße Einiges getan. Vor allem sind lange unter dicken Erdschichten verborgene Zeitzeugnisse wieder sichtbar geworden, die einstmals zum Bierbrauen genutzt wurden. Es handelt sich um die Brau- und Lagerkeller der ehemaligen Reisewitzer Brauerei. Nicht unter der Erde verborgen war das Gebäude der zur Brauerei gehörenden Mälzerei samt Anbau und Villa. Die restlichen oberirdischen Gebäude wurden am Ende des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört.

Die Vorgeschichte

An der Grenze zum Dorf Plauen befanden sich dereinst hauptsächlich Felder und Wiesen, lediglich durchschnitten von Pfaden nach Löbtau, Döltzschen und Naußlitz. In unmittelbarer Nähe am Eingang zum Plauenschen Grund gab es im 17. Jahrhundert Mühlen. 1677 wurde erstmals in dem Gebiet Braubetrieb erwähnt.[1] Diese Nennung könnte sich allerding eher auf das Gelände des Reisewitzer Gartens oder auf den Bereich der erwähnten Mühlen beziehen.

Bereits an dieser Stelle wird sichtbar, daß noch so manche Frage im Zusammenhang mit der Entstehung der Reisewitzer Brauerei ungeklärt ist.

Ab 1701 ging das Gelände des späteren Reisewitzer Gartens[2] für neun Jahre in den Besitz des Freiherrn Johann Wratislaw von Reisewitz (1665-1709) über. Andere Quellen nennen Reisewitz bereits ab 1695 als Eigentümer.[3] Leider ist nicht genau erkennbar, auf welche Grundstücke außerhalb des Reisewitzer Gartens sich die Angaben genau beziehen, denn Brauerei und Ziegelei wurden eigentlich auf Löbtauer Flur westlich des Reisewitzer Gartens gebaut.

Freiherr von Reisewitz stammte aus einem alten Schlesischen Adelsgeschlecht[4] und war „Kursächsischer Kammerherr, geheimer Rat, Vitzeberg- und -Münz-Direktor, Kommerzienpräsident und Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld“.[5]

Nach einer wechselvollen Geschichte und mehreren Besitzerwechseln erwarb der Dresdner Bankier Robert Thode das Gelände und brachte es bei der Gründung der „Actien-Brauerei Reisewitz“ mit in die Gesellschaft ein.[6]

Er gehörte gemeinsam mit seinem Kompagnon W. Knoop, seinem Bruder F. Edm. Thode und dessen Kompagnon C.H. Knoop im April 1868 zu den Gründern der Brauerei.[7] Außerdem gehörte der Brauerei das Gelände aus dem ehemaligen Besitz der Gräfin von Kielmansegge und die „Löbtauer Felder“. Der Name der Aktiengesellschaft nutzte bewusst das Image und die Bekanntheit des Reisewitzer Gartens sowie die auf den Grundstücken liegenden Wasser-, Brau- und Schankrechte. Deshalb blieb auch die Restauration „Starkes Garten“ bis 1897 als brauereieigenen Gaststätte bestehen.

Die Brauerei

Unter Leitung des Architekten Gustav Noback begann der Bau der ersten Brauereigebäude. [8] Ab 1880 folgten Erweiterungen und Umbauten der Brauereigebäude, so dass schließlich neben dem Brauerei- und Mälzereigebäude zwei große Gär- und Lagerkelleranlagen mit insgesamt 16 Tonnengewölben entstanden.

Es gab noch ein Abfüllgebäude, einen Pferdestall mit Wagenremise, ein Pichhaus[9] sowie die Fabrikantenvilla. Hinzu kamen auf einem Teil des Geländes des vormaligen Reisewitzer Gartens Ende des 19. Jahrhunderts vier große für einige Jahre angelegte Teiche, aus denen im Winter Eis zur Bierkühlung gewonnen wurde.[10]

Zur Brauerei gehörten schließlich noch Brunnen, Feuerlöscheinrichtungen, die Grundstücke und Gebäude der Ziegelei sowie die Grundstücke und Gebäude der „Oeconomie“ (Landwirtschaft, Futterversorgung für die Pferde usw.).[11]

Die Reisewitzer Brauerei 1962, Quelle: Riss/Stadtplanungsamt Dresden
Die Reisewitzer Brauerei 1962, Quelle: Riss/Stadtplanungsamt Dresden

Am 15. Januar 1869, und damit knapp ein dreiviertel Jahr nach der Gründung der Aktiengesellschaft, wurde mit dem ersten Gebräu der Betrieb aufgenommen. Von da an verließen jährlich zwischen 40.000 und 60.000 hl Bier die Brauerei. Aus über 1.000 t Gerste wurden in der Mälzerei jährlich zwischen 700 und knapp 1.000 t Malz hergestellt. Für das Bier benötigte man ca. 14 t Hopfen und über 1.000 t Braun- und Steinkohle. Um die Bierfässer abzudichten, verbrauchte das Pichhaus zwischen 11 und 16 t Pech. Im Geschäftsjahr 1888/1889 füllten die Arbeiter 8.142.910 Flaschen Bier ab.

Neun Jahre später verkaufte die Reisewitzer Brauerei das inzwischen nicht mehr benötigte Gelände des ehemaligen Reisewitzer Gartens an die „Cacao-, Chocoladen- und Zuckerwarenfabrik C.C. Petzoldt und Aulhorn“.[12]

Nach 63 Jahren wurde der Braubetrieb in der „Actien-Bierbrauerei zu Reisewitz“ 1931 eingestellt.[13] Für die Zeit zwischen 1889 und 1931 stehen noch Forschungen aus, so dass derzeit keine näheren Angaben dazu gemacht werden können.

 

Bierdeckel mit Fabrikansicht (Sammlung AG Löbtauer Geschichte)
Bierdeckel mit Fabrikansicht (Sammlung AG Löbtauer Geschichte)

Die Ziegelei

Über die zur Aktiengesellschaft gehörende Ziegelei ist bisher relativ wenig bekannt. Sie ist erst in den 1870er Jahren in den Dresdner Stadtplänen eingezeichnet und verschwand um 1915 aus den Adressbüchern. In verschiedenen Quellen wurde sie auch als „Patentofen-Ziegelei“ bezeichnet. Im Geschäftsbericht der Aktiengesellschaft von 1886 ist die „Rekonstruktion des Ringofens der Ziegelei nach den Plänen des Erfinders des Ringofensystems Regierungsbaumeister (Friedrich) Hofmann in Berlin“ dokumentiert.[14] Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte auch hier eine Erweiterung. Damit verbunden war der Zukauf eines Grundstückes von 1,695 ha zur Erweiterung des Abbaufeldes für den zur Ziegelei gehörigen eigenen Lehmabbau.[15] Zwischen 1878 und 1888 wurden 2 bis 4,5 Millionen Ziegel pro Jahr verkauft. Die Ziegelei hatte damit die damals für Dresden typische Größe.[16]

Nach der Brauerei

Nach dem Ende des Braubetriebes wurde die „Actien-Bierbrauerei zu Reisewitz“ als Firma durch die Felsenkeller Brauerei übernommen. Was genau die Hintergründe der Übernahme der Reisewitzer Brauerei durch die Felsenkeller Brauerei waren, muss noch näher erforscht werden. In den bisher wenigen bekannten Quellen der Zeit nach 1933 gibt es verschiedene Angaben dazu, ob und wie die Gebäude weiter genutzt wurden. Mal ist von Leerstand die Rede[17], mal von der Abfüllung von Felsenkeller-Bier und mal von Lagerflächen.

Bei den Bombenangriffen 1945 wurden mehrere Gebäude der Reisewitzer Brauerei zerstört und nicht wieder aufgebaut. Zeitzeugen haben berichtet, daß viele Plauener während der Bombenangriffe 1945 in den Brau- und Lagerkellern Schutz suchten und dort überlebten.[18]

Obwohl die Brauerei noch im Juli 1948 in Betriebslisten der zuständigen Industrieverwaltung als in Verwaltung befindlich genannt wurde,[19] gab es auf dem Gelände weder Braubetrieb noch die Abfüllung von Getränken. Daran ändern auch Beobachtungen aus dem Umfeld nichts, die erzählen, dass doch weiter Fahrzeuge Bier und Getränke auslieferten. Diese Beobachtungen beziehen sich wohl auf die in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche und 1898 gegründete Robert Hermann Kuntzsch Flaschenbier-Großhandlung Mineralwasser- und Limonaden-Fabrik an der Mohorner Straße 19, die als Niederlage für verschiedene Brauereien Bier abfüllte sowie Selterswasser und Limonade herstellte.[20] Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Fabrik zum Gelände der Reisewitzer Brauerei gehörende Flächen damals mit nutzte.

Auf dem Gelände der ehemaligen Reisewitzer Brauerei gefundene Zeitzeugnisse (Stadtwiki Dresden in Kooperation mit der AG Löbtauer Geschichte, Tag des offenen Denkmals 2015)
Auf dem Gelände der ehemaligen Reisewitzer Brauerei gefundene Zeitzeugnisse (Stadtwiki Dresden in Kooperation mit der AG Löbtauer Geschichte, Tag des offenen Denkmals 2015)

Um 1953 wurde das in Volkseigentum befindliche Gelände der ehemaligen Brauerei aufgeteilt und verschiedenen Nutzungen zugeführt. Das weitgehend unzerstörte Mälzereigebäude, der dazugehörige Anbau und die verbliebenen Tonnen wurden unter Denkmalschutz gestellt.

Auf den Fundamenten des ehemaligen Brauereihauptgebäudes wurden in den 1960er Jahren Baulichkeiten für das Straßen- und Tiefbauamt der Stadt Dresden errichtet[21] und sind bis heute in Betrieb.

Die benachbarten Flächen wurden auf sehr verschiedene Weise genutzt. Die Palette reicht dabei vom Pyritlager, über Wohnungen, die zeitweilige Nutzung als Lager bis hin zum Abstellplatz für Geräte eines Schaustellers.[22] Selbst Champignons sollen bis 1990 in einer der Tonnen gezüchtet worden sein.[23] Außerdem hatte spätestens ab der 1970er Jahre der VEB Taxi Dresden, später VEB Taxi und Fahrschule im VE Verkehrskombinat Dresden, mit verschiedenen Abteilungen und einschließlich der dazu gehörigen Autowaschanlage seinen Sitz in der Reisewitzer Straße 82.[24]

Das Brauereigelände heute

Die Reisewitzer Brauerei um 1900 (Quelle: Riess)
Die Reisewitzer Brauerei um 1900 (Quelle:  Sammlung Rieß)

Nach 1989 änderte sich auf großen Teilen des Geländes lange Zeit nicht viel. Die erste größere Veränderung war die Ansiedlung eines Autohauses an der Ecke Reisewitzer- und Altfrankener Straße 1990. In den Gebäuden und auf dem Gelände des ehemaligen VEB Taxi und Fahrschule siedelten sich verschiedene z.T. artverwandte Firmen an. Die Wohnungen im Mälzereianbau waren noch eine Zeit lang belegt. Geblieben sind bis heute der Technikhof der Stadtverwaltung Dresden und die Autowaschanlage.

Die deutlichsten Veränderungen begannen mit dem Kauf eines ersten Teiles des bis dahin in Treuhandverwaltung befindlichen ehemaligen Brauereigeländes durch einen Chipkartenhersteller 1996. Auf der Grundlage einer 1997 verfassten städtebaulichen Studie für das betreffende Grundstück sollten Entwicklungsmöglichkeiten für das Gebiet vorgeschlagen und Interessenten für eine weitere Umnutzung und Fortentwicklung gefunden wurden. Inzwischen befinden sich alle noch vorhandenen und unter Denkmalschutz befindlichen Bauten in einer Hand. Mit der deutlichen Erweiterung des Produktionsgebäudes 2015 ging einerseits der Abriß einiger ehemaliger Brau- und Lagertonnen einher. Andererseits wurden die restlichen Tonnen gesichert, teilsaniert und stehen einer möglichen Nutzung zur Verfügung. Auch das derzeit nur notgesicherte ehemalige Mälzereigebäude soll eine Chance bekommen.

Interessierte Dresdner hatten in den letzten Jahren bereits mehrfach die Möglichkeit, im Rahmen von Veranstaltungen sich die Zeitzeugnisse der ehemaligen Reisewitzer Brauerei anzusehen.

Anmerkung

Im Laufe der letzten Jahre wurden der AG Löbtauer Geschichte weitere Unterlagen zur Reisewitzer Brauerei übergeben bzw.zur Einsichtnahme angeboten. Außerdem gibt es noch einen Bestand im Staatsarchiv Dresden. Den Mitgliedern der AG Löbtauer Geschichte war es leider noch nicht möglich, alle diese Unterlagen vollständig auszuwerten. Zu gegebener Zeit werden die daraus gewonnenen Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Die AG Löbtauer Geschichte ist dennoch für weitere publizierbare Informationen und Materialien dankbar.

Danksagung

Der Eigentümer des ehemaligen Brauereigeländes gewährte der AG Löbtauer Geschichte freundlicherweise die Einsichtnahme in die mehrfach als Quelle benannte städtebauliche Studie.

Die angefügten Bilder wurden von verschiedenen Personen und Institutionen zur Verfügung gestellt:

Bierdeckel mit Fabrikansicht (Sammlung AG Löbtauer Geschichte)

Das Gelände der Reisewitzer Brauerei aus Richtung der Bienertmühle. Im Hintergrund sind die noch unbebauten Löbtauer Felder zu sehen. (Sammlung Rieß)

Auf dem Gelände der ehemaligen Reisewitzer Brauerei gefundene Zeitzeugnisse (Stadtwiki Dresden in Kooperation mit der AG Löbtauer Geschichte, Tag des offenen Denkmals 2015)

Belegschaft der Reisewitzer Brauerei um 1900 bzw. 1901 (Sammlung Rieß)

Reisewitzer Brauerei, rechts im Bild das Mälzereigebäude 1962 (Stadtplanungsamt Dresden, Bildstelle)

Genaue Angaben zu den Bildern auf Nachfrage bei der AG Löbtauer Geschichte.

[1] Landesamt für Denkmalschutz, Regierungspräsidium Dresden: Stellungnahme zu der Denkmaleigenschaft der ehemaligen Actien-Brauerei Reisewitz, Dresden 31.05.1994, in Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt: Städtebauliche Studie Nr. 963 Flurstück 216/12 Dresden-Löbtau, ehem. Brauerei Reisewitz Wiesbadener Straße 4 Dresden-Löbtau, Dresden März 1997, S. 61 Vermutlich handelt es sich aber nicht um das spätere Gelände der Brauerei.

[2] auch Reisewitzer Garten oder Reisewitzscher Garten genannt

[3] Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt: Städtebauliche Studie Nr. 963 Flurstück 216/12 Dresden-Löbtau, ehem. Brauerei Reisewitz Wiesbadener Straße 4 Dresden-Löbtau, Dresden März 1997, S. 17

[4] Grosses vollständiges Universal Lexikon aller Wissenschaften und Künste …, Band 31, S. 388 f, Johann Heinrich Bedler, Leipzig/Halle 1742, Onlineresource, Google Books, Aufruf 15.06.2015

[5] Landesamt für Denkmalschutz, Regierungspräsidium Dresden: Stellungnahme zu der Denkmaleigenschaft der ehemaligen Actien-Brauerei Reisewitz, Dresden 31.05.1994, in Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt: Städtebauliche Studie Nr. 963 Flurstück 216/12 Dresden-Löbtau, ehem. Brauerei Reisewitz Wiesbadener Straße 4 Dresden-Löbtau, Dresden März 1997, S. 61

[6] ebenda

[7] Dresdner Adressbuch 1868, Onlineresource, Börner, Richard (Hrsg.): Die Sächsischen Actien-Gesellschaften und die an den Sächsischen Börsen courshabenden auswärtigen Industriewerte, Lehmannsche Buchdruckerei 1889, 3 (1889) 2. Auflage, S. 49 f

[8] Sächsischer Ingenieur- und Architekten-Verein (Hrsg.): Die Bauten, technischen und industriellen Anlagen von Dresden, Meinhold, Dresden 1878, Onlineresource

[9] Im Pichhaus wurden die Bierfässer mit Pech abgedichtet.

[10] Starke, Holger: Ein bierseliges Land, in Stadtmuseum Dresden, Sächsischer Brauerbund e.V. (Hrsg.): Ein bierseliges Land, Aus der Geschichte des Brauwesens von Dresden und Umgebung, fliegenkopf verlag, Halle 1996, S. 61

[11] Börner, Richard (Hrsg.): Die Sächsischen Actien-Gesellschaften und die an den Sächsischen Börsen courshabenden auswärtigen Industriewerte, Lehmannsche Buchdruckerei 1889, 3 (1889) 2. Auflage, S. 49 f

[12] Gordian 1 (1898) 69

[13] Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt: Städtebauliche Studie Nr. 963 Flurstück 216/12 Dresden-Löbtau, ehem. Brauerei Reisewitz Wiesbadener Straße 4 Dresden-Löbtau, Dresden März 1997, S. 19

[14] Actien-Bierbrauerei zu Reisewitz: Geschäfts-Bericht für die achtzehnte ordentliche General-Versammlung am 22. Februar 1886, Geschäftsjahr 1. Oktober 1884 bis 30. September 1885, Plauen bei Dresden 18.01.1886, Onlineresource, HStADD, Amtsgericht Dresden, Handelsregister, Akten-Nr. 1240, Fol. 22 (23), (alter) Bd. 1

[15] Actien-Bierbrauerei zu Reisewitz: Geschäfts-Bericht für die zweiundzwanzigste ordentliche General-Versammlung am 14. Dezember 1889, Geschäftsjahr 1. Oktober 1888 bis 30. September 1889, Plauen bei Dresden 27.11.1889, Onlineresource, Witt, Volker: Ziegeleien im Raum Dresden nach 1850. Vom Handwerk zur industriellen Massenproduktion, in Dresdner Geschichtsverein e.V. (Hrsg.): Industriestadt Dresden? Wirtschaftswachstum im Kaiserreich, Dresdner Hefte Nr. 61, 2000, S. 61

[16] vergleiche Witt, Volker: Ziegeleien im Raum Dresden nach 1850. Vom Handwerk zur industriellen Massenproduktion, in Dresdner Geschichtsverein e.V. (Hrsg.): Industriestadt Dresden? Wirtschaftswachstum im Kaiserreich, Dresdner Hefte Nr. 61, 2000, S. 67

[17] Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt: Städtebauliche Studie Nr. 963 Flurstück 216/12 Dresden-Löbtau, ehem. Brauerei Reisewitz Wiesbadener Straße 4 Dresden-Löbtau, Dresden März 1997, S. 26

[18] aus Erzählungen von Besuchern während der Tage des offenen Denkmals und der Löbtauer Geschichtstreffs 2016 und 2017

[19] Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 11540 Industrieverwaltung Volkseigene Betriebe Sachsens, Nahrungs- und Genußmittel, Brauereien, Archivalien Nr. 68, 76, 278, Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 11540 VVB Sachsen, IV Nahrungsmittel, IV 21, Archivalie Nr. 402

[20] Dresdner Adressbücher 1910 bis 1943, Branchen-Fernsprechbuch Dresden 1950 und 1960

[21] Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt: Städtebauliche Studie Nr. 963 Flurstück 216/12 Dresden-Löbtau, ehem. Brauerei Reisewitz Wiesbadener Straße 4 Dresden-Löbtau, Dresden März 1997, S. 27

[22] ebenda, S. 44-48

[23] aus Erzählungen von Besuchern während der Tage des offenen Denkmals und der Löbtauer Geschichtstreffs 2016 und 2017

[24] Branchen-Fernsprechbuch Bezirk Dresden 1975 und 1985

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Märzausgabe

Geschichtsblättchen März als PDF zum Download

Autoren: Uwe Hessel, Sonja Schmidt

Geschäfte und Gewerbe an der Kesselsdorfer Straße im Wandel der Zeit

Quellen: Dresdner Adressbücher 1915, 1939, Branchen-Fernsprechbuch Bezirk Dresden 1963/1964

Beigefügte Fotos aus den Archiven von Falk Fritzsche und Marlis Goethe

 

Hinweis: Die Angaben von 1939 enthalten keine jüdischen Gewerbebetriebe, auch wenn sie noch existiert haben sollten. Die genaue Gegenüberstellung mit Angaben aus den Adressbüchern von 1932 und 1934 muß noch erfolgen.

 

Berichtigungen, Hinweise, Ergänzungen bitte an geschichte@loebtau.org

 

Hausnummer Gebäudeteil Gewerbebetrieb
1915 1939 (Hinweis beachten!) 1963/1964 2000
001 W. Kelling Prinzlich Preußischer Hoflieferant Commerz- und Privat-Bank A.-G., Filiale Dresden
001 B. Behr & Co. Dr. med. Sperber Schokoladen- & Nährmittelfabrik G.m.b.H.
002 J. Louis Erbstößer Klempnermeister by Gina-Italienische Dessous, Wäsche und Strumpfwaren

Drei-Kaiser-Hof-Apotheke

Yvonne Eckner Beauty Point Tattoo Piercing

Elite Friseur- und Kosmetik GmbH Damen- und Herrensalon

Fink Personaldienstleistungs GmbH

Gold Uhlenbrock

O.K. Foto-Labor Shop GmbH

Reiseagentur Cosel

Reno Schuhcentrum GmbH

Sportfundgrube Inh. Ellionor Ullmann

Festival No. 1

002 Erbstößer & Haubert
003 Eugen Hartmann Nachf. Eugen Hartmann Nachf.
003 Gustav Mertig Uhrmacher Ernestine verw. Mertig Uhrmachergeschäft
003 Vertrieb von Erzeugnissen sächsischer Gardinenfabriken Kurt Strohbach Rundfunkgerätehandlung
003 Elisabeth Hoffmann und Flora verw. Braumann Schokoladen-Geschäft Flora verw. Braumann Schokoladen-Geschäft HO-Verkaufsstelle Lebensmittel
004 Johanna Sachs Handlung mit sanitären Artikeln Hans Vogel Zigarren, Zigaretten und Tabakwaren
004 Hintergebäude Alfred Roßner Tapezierer
005 Helene Peschel Molkereierzeugnisse-Händlerin Nordsee Deutsche Hochseefischerei Bremen-Cuxhaven A.-G.
005 Albert Stange Leihbücherei
005 Max Kretschel Textil-Händler
006 Zum Goldenen Anker Schankwirtschaft
007 Bauer & Haase Hermann Poser Nachf. HO- Verkaufsstelle Schlafzimmer und Möbel
007 Schlesische Schuhwerke Ottmuth A.-G., Verkaufsstelle Dresden
008 Oswald Mor. Funke Schirmfabrikant Karl Neuburg Orthopädiemeister
008 Paul Bär Papp-decker
008 R. Uhlemann Schmied
008 Gerling & Rockstroh
008 Melienda Adolph Grünwarenhändlerin
008 Hintergebäude Reinhold Stöhr Töpfer
009 Hermann Poser Buchbindermeister HO- Verkaufsstelle Schlafzimmer und Möbel
010 C. Fiedler jun. Kürschner Karl Fiedler Kürschner
010 Et. Hagedorn Goldschmied Herbert Hagedorn Goldschmied
010 Max Crainchen Zigarren-Händler
010 Hintergebäude Otto Miersch Fahrradfabrikant
010 Hintergebäude Julius Pilz Buchdruckerei
011 Arthur Beyer Schankwirtschaft Rheinische Kaufhalle A.-G. HO-Kaufhaus Textilwaren West
011 Vertrieb von Erzeugnissen sächsischer Gardinenfabriken
011 Alfred Dietrich Fleischermeister
012 P. Jäger Inh. W. verw. Jäger, Bäckerei
012 Frau Bitterlich Schneidergeschäft
012 Elisabeth Niklatsch Blumenhandlung
013 Gustav Klotz Wildhändler Meister Erich Küchler Apotheker Elbflorenz-Industrieladen Martinizing-Textilpflege
013 Georg Eigold und Richard Bruggmayer Zigarren-Handlung
013 Bernhard Abendroth Fensterreinigungs-Anstalt
013 Max Fischer Metallschlosser
013 Hintergebäude Fanny verw. Haase Fensterreinigungs-Anstalt
014 Victor Waldschmidt Fischspezialitäten Norbert Gabriel
014 Moritz Sommer Nachf.
016 E. Paschty, Zweiggeschäft Tharms & Garfs Apollo-Optik GmbH & Co. KG
016 Alma Hiltmann Blumengeschäft HO-Verkaufsstelle Fisch und Fischwaren by Alex Modeboutique GmbH

HIB Gesellschaft für Industriemontagen GmbH

Service Bank GmbH & Co. KG

TBG Touristik Beteiligungs GmbH

Wand & Boden Berlin GmbH, Filiale

017 Musenhalle Ernst Hermann Balten Gastwirtschaft Görlitzer Waren-Einkaufs-Verein A.-G. Berolina HO-Gaststätten Nord-West
017 Bernhard Schneider Zigarren-Händler Friedel Hirschmann Friseuse
017 Schlesinger Manufakturwarenhandlung Martin Schieblich Hutumpresserei
017 Georg König Kaufmann
017 Alma Schumann und Fritz Süßmann Möbelhandlung
017 Herbert Lieber Sportartikelfabrikant
017 Schumann & Co.
019 Hans Trede Uhrmachermeister Hans Trede Uhrmachermeister
019 Alfred Müller Schuhwarenhändler Max Herzog
019 Oskar Grundmann Wild, Geflügel und Feinkost
019 Gertrud Hartmann Huthandlung
020 Westend-Theater Ges.m.b.H. G. Möbius G.m.b.H. Modehaus
021 Am.A. Kaetschner Bettfedern-Handlung Fritz Kätschner Elektro-Installation Walter Kretzschmar Betten und Bettfedern Karin Krämer Bettenhaus
021 Oswald Kaetschner Tischler
021 Rud. Rümmler Friseur Anna Wendt Friseurgeschäft Elite Friseur- und Kosmetik GmbH
022 Konsumverein Vorwärts für Dresden und Umgebung e.G.m.b.H. Schacht & Hödel Modehaus für Bekleidung, Textilien und Schuhwaren Konsum-Kaufhaus
022 Hintergebäude Milchverwertungsges.m.b.H.
022 Hintergebäude Gebr. Pröhl & Schlade künst. Blätterfabrik G.m.b.H.
023 C.Ad. Duckstein Kunstgärtner Friedrich und Rudolf Duckstein Blumengeschäft Blumenhaus Duckstein centraflor dresden Blumenhandelsgesellschaft mbH & Co. KG
023 Fortuna Johann Adler Schuhwaren-Haus Walter Petermann Koller Gold-Boutique
023 Paul Wilmersdorf Naumann & Pelikan Alfred Hermann Bürobedarf Sächsischer Feinbäcker Heberer GmbH
024 Alfred Sachsenröder Zum Weißen Kreuz, Drogist Maria verw. Domschke Blumengeschäft
024 Carl Burkhardt Molkereiprodukten-Handlung Erich Burkhardt Molkereierzeugnisse-Händler
024 Hintergebäude Gustav Liebig William Schmidt Dekor-Maler
025 Richard Schmieder Vertrieb von Erzeugnissen sächsischer Gardinenfabriken HO-Verkaufsstelle Lebensmittel Supermarkt-Dannenberg
025 Hugo Neumann Wilhelm Fischer HO-Probierstuben Spirituosen Gisela Kothe Blumengeschäft
026 Adolf Pfeiffer Bäckermeister Café Stadt Wien Café Pfeiffer Adolf Pfeiffer Bodega HO-Gaststätten Nord-West
026 Gertrud verw. Bär Schankwirtschaft Alfred Luscher Fabrik elektrischer Akkumulatoren und Apparate
026 Christian Piesler Schokoladenwaren-Handlung
026 Hintergebäude Gustav Martini Mechaniker
028 Br. Heinze Fleischerei William Walter Hausschlächterei HO-Verkaufsstelle Fleisch- und Wurstwaren Thomas Hubrich Feinkost
028 Herbert Schulze Fleisch- und Wurstwaren
028 Ernst Berthold Produktenhändler Margarethe Möscher zoologische Handlung HO-Verkaufsstelle Gemüse und Obst Porst AG
028 Marianne Treiber Herrenausstattung HO-Verkaufsstelle Foto-Optik Wellmann Schilder
028 Antonia verw. Patzig Putzgeschäft Antonia Patzig Damen- und Herrenhüte Barbara Patzig Hutgeschäft
028 Gebrüder Patzig Hutfabrikation Damen- und Herrenhüte
030 Bauer & Haase Otto Frenzel Hohlschleiferei Otto Frenzel Stahlwaren Telefonladen Schmidt
030 August Teubner Zigarren-Händler Wilhelm Franz
030 Victoria Drogerie Wilhelm Franz Gerling & Rockstroh Wilhelm Franz Inh. Alfred Franz Drogerie
030 A. Merckel Bäckerei Erich Griebel Konditormeister
032 Br. Edwin Mende Uhrmachermeister Uhren- Mende Inh. Erich Mende Max Lorenz Schuhmacher
032 Rosalie Häntschel Korbwaren-Handlung
032 Volksbuchhandlung Buch & Kunst
033 Herm. Petzold Bäcker Uwe Guttke Feinbäckerei
033 Anna Perschmann Schokoladen-Geschäft
033 Kurt Geißler Werkstätte für Grabmalkunst
033 Uhlig Textilwaren
034 Zum Frieden F. Ed. Richard Schankwirtschaft
034 Spar- und Hypothekendarlehns-Kasse der Hausbesitzer e.G.m.b.H.
034 Eduard Röder Nachf. Eisenwaren
034 E. Wimmer Bügelanstalt
035 C. Bruno Kretzschmar Delikatessen-Händler Bruno Kretschmar Autotransporte
035 HO-Verkaufsstelle Gemüse und Obst
036 Elisabeth Spahn Blumenhandlung Hans Vogel Obsthandlung Arthur Faulhaber Blumengeschäft Klaus-Dieter Franz Drogerie

Edda und Klaus-Dieter Franz Modeschmuck

036 HO-Verkaufsstelle Kaufquelle des Westens
036 Hintergebäude Sächsische Luftgasapparatefabrik Jupiter Christ. Müller Sächsische Luftgasapparatefabrik Jupiter Christian Müller
037 W. Wachs Bäcker Paul Mauksch Bäckerei
038 Hermann Leonhard Bildhauer Gustav Friedrich Büchsenmilchhandlung Kaffee-Friedrich Süßwaren
038 Osw. Wolf Fleischer Johannes Wolf Fleischermeister Ernst Schulze Fleischerei & Feinkost Vertriebs GmbH
039 A. Reiche Schokoladenwarenhandlung Pensionskasse der deutschen Verbrauchergenossenschaften Versicherungs-Verein A.G. Hamburg Konsum-Verkaufsstelle Lebensmittel Flugbörse Dresden-Löbtau
039 Gerling & Rockstroh Modellbau-Oase Heller
039 Hugo Weißenfels Produkten-Händler
040 Charlotte Lippold Bettfedernhandlung Kandlers-Hotel Restaurant & Bistro
040 Franz Dietze Steinmetzmeister Oskar Riedel Molkereierzeugnisse-Händler HO-Verkaufsstelle Molkereiprodukte
040 Glöckner Zigarren-Geschäft
040 Hintergebäude A. verw. Müller Bettfedernreinigungs-Anstalt
040 Franz Dietze Inh. Erich Schütze Bildhauerei-Steinmetzgeschäft
041 Oskar Hörig Fleischerei Alwin Schönfelder Molkereierzeugnisse-Händler Alfred Gehler Gemüse und Obst Euro-Küchen-Dresden GmbH
041 R. Reinsdorf Papierhandlung Js. Anders Fischhandlung HO-Verkaufsstelle Fische und Fischwaren
041 Frau Reinsdorf Zigarren-Handlung Gertrud Hille Strumpfwaren-Händlerin Gertrud Hille Textilwaren
041 Hintergebäude Bernhard Grotjahn Schriftmaler
042 Ferdinand Hermann Kosche Bäckerei Hans K. Er. Kosche Konditormeister Konsum-Verkaufsstelle Möbel Birgit Bach Reformhaus

Elch adventure Tours

Sportshop Die Hütte Trekking Wandern Reisebedarf

042 Hintergebäude Erich Ranft Bürstenfabrikant Georg Hörig Orthopädie-Schuhmacherei
043 Scharfe Ecke Schankwirtschaft Franz Fuhrmann HypoVereinsbank Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG
044 Frieda Wendisch Blumenhändlerin Kuchenjunge G.m.b.H.
044 Elsa Schwarz Zigarren-Handlung Johannes Scholz Rundfunkapparatehandlung
044 Lina Spörl Produkten-Händlerin
044 HO-Verkaufsstelle Farben
045 Emil Alwin Schöne Bäckerei K. Oskar Schöne Bäckermeister Wolfgang Rösler Bäckerei Hans Jürgen Albers Feinbäckerei
046 Richard Blüthgen Blumenhandlung
046 Hintergebäude Max Hempel Kohlenhändler
046 Hintergebäude Rolf Hemm Speditions-Geschäft
046 Hintergebäude Herbert Steglich Flachglashandlung
046 Erbstößer & Haubert Inh. E. Braun Blechbearbeitung
047 Georg Bachmann Kolonialwarenhandlung O. Gebauer Schuhmacher Bruno Hopmann Spirituosen Harald Barth Werkzeugverleih

Rico Blüthgen & Ralf Weinlich GbR

B & W Werbe- und Copyshop Computer Vertriebs GmbH

Siso Textil GmbH

047 HO-Verkaufsstelle Textilwaren
047 O. Preißiger Klempnermeister Josef Krause Tapezierer
048 Julius Kallinich Paul Märksch A.-G.
048 Max Keil Zigarren-Händler Max Wilcke Orthopädiemeister
048 Reinhold Kusch Buchdruckerei Sport- Kühn Hans Kühn
049 Minol-Tankstelle
050 R. Bieber Kronprinzen-Apotheke Kronprinzen-Apotheke Dr. Wilhelm Schmidt Robert-Koch-Apotheke
051 Fleurop-Dienst Blumen und Blumenbinderei
054 Richard Kahls Speditions-Geschäft VEB Kohlehandel, Bestellkontor
054 Erich Kahls Kohlengeschäft Erich Kahls Kohlehandel
054 Herbert Richter Lebensmittel-Großhandlung
055 Carl Barth Bäckerei
056 Wilhelm Jäschke & Co. Schuhwarenhandel Jeans-Store
056 Max Gläser Papierwarengeschäft Dietmar Winkler An- und Verkauf
056 Albert Tauchmann Schuhwarenhändler
056 HO-Verkaufsstelle Lebensmittel
057 Gustav Mosig Produkten-Händler Excalibur Schmidt GmbH
057 Hermann Wagner Fleischerei HO-Verkaufsstelle Fleisch- und Wurstwaren Regina Patzschewitz Braut- und Festmoden

Spielautomaten Aufstellung und Verkauf Inh. J. Vieths

Teeladen

Jürgen Vieths Reisebüro

058 F. Wilhelm Köhler Kunsttischler Margarethe verw. Räde Lebensmittelhändlerin Karl Neumann Friseurmeister
058 Minna Günther Schnittwarenhändlerin Kurt Kirbach Kaufmann
058 O. Zieger Delikatessen-Handlung HO-Verkaufsstelle Fleisch- und Wurstwaren
058 Karl Neumann Friseur
058 Puppen-Stange Inh. H. u. E. Jänicke Fabrikation von Puppenkleidung
058 Hellmut Friedrich Schriftmaler
058 Erich Philipp Klempnerei
059 Ida Richter Blumenhandlung HO-Verkaufsstelle Molkereiprodukte
059 Hintergebäude Max Spilger Schleiferei
059 Kläre Landeck Damenhüte
059 Kinderbibliothek
060 Genossenschaft Schwerterheim Georg Laux Steinbildhauer Karl Müller Steinbildhauermeister Gunter Müller Steinmetzmeister

Uwe Erbe Schreibwaren und Bürobedarf

060 Pumpen-Franke vorm. Meyer Maschinenbau und -Reparatur
060 Sommer & Slupke In. G. Valtin elektrische Anlagen und Elektrogeschäft
061 Max Geyer Molkereiprodukten-Händler Bärbel Becher Schuhsalon
061 Storch Drogerie Walter Müller Hendrik Hahn Foto

Susann Rätzer Münzen und Antiquitäten

062 Lina Haenchen Blumenhandlung Georg Laux Steinbildhauer Call a Pizza Dresden GmbH
062 Koch Papierwaren-Handlung Koch Papierwarenhändlerin Elite Friseur- und Kosmetik GmbH Damen- und Herrensalon
062 Osw. Küttner Molkereiprodukten-Handlung Erich Wenzel Damenfriseurmeister Erich Wenzel Friseur
063 Hermann Otto Bär Bäckerei Erhard Hänisch Bäckerei Dietrich Heß Busreisen und Veranstaltung
063 Hintergebäude Julius Lehmann Kohlen-Händler
064 Konsumverein Vorwärts für Dresden und Umgebung e.G.m.b.H. Arthur Schneider Elektromeister Elektro-Schneider Fachgeschäft für Beleuchtungskörper und Lampenschirme Andrä
064 Alwin Henke Molkereierzeugnisse-Händler Axa Colonia Versicherung
064 Franz Schindler Phoenix-Drogerie Erich Voigtmann Drogenhandlung Erich Voigtmann Fachdrogerie Alexandra Baitis & Brit Grahl GbR A & B Floristik
064 F. Petzold Schuhreparaturanstalt City-Photo GmbH
065 Hugo O. Dietsch Fleischerei Fritz Freudenberg Fleisch- und Wurstwaren Dietrich Hering Fleischermeister
065 Konsumverein Vorwärts für Dresden und Umgebung Konsum-Verkaufsstelle Lebensmittel
065 Konsum-Verkaufsstelle Haushalts- und Wirtschaftsgegenstände
065 Paul Krause Rundfunkmechanikermeister
066 Julius Oswald Herberg Eisenwaren- und Werkzeughandlung Herbers Konditorei
066 Bauer & Haase P. Lachmann zoologische Handlung
066 Alwin Schönfelder Molkereiprodukten-Händler
067 Carl Hermann Klengel Korbmacher PGH des Mechanikerhandwerks Avanti La Gallinara Gaststätte
HO-Verkaufsstelle Nähmaschinen
068 Hans Löppmann Blumengeschäft H. Lippmann Blumen Klaus Deckwer Elektroinstallation
068 Max Meyer Wagenverleihgeschäft Peer Müller Schlüsselservice und Sonnenschutz
068 Heinz Preißiger Klempnerei Augenoptiker Christian Preißiger
069 Paul Obenaus Buchhändler Max Schlötzer Papier-, Schreib- und Zeichenmaterialien Christian Beyer Friseurmeister
070 Julius Oswald Herberg Rudolf Kunis Sattlermeister Sven Sager Damen- und Herrenmoden
070 Cordula Espig Manufakturwarengeschäft Gundula Espig Textilwaren Reimund Sowade Galerie Im Stil
070 Hanna Spitz Uhrmachermeisterin
070 Hintergebäude Rudolf Bauer Möbellackierer Horst Bauer Möbellackiererei
071 Bertha Kießling Spirituosen- und Produkten-Handlung Ernst Hantusch Fleischerei Dieter Hantusch Fleischermeister
071 Rudolf Tietze Photomechanik, Reparatur, mechanische Geräte
072 F.E. Krüger Butter-Spezial-Geschäft Paul Reichelt Fleisch- und Wurstwaren Heike Trauf türkisches Lebensmittelgeschäft
072 Antonie Wolf Wasch- und Plättanstalt HO-Verkaufsstelle Textilwaren
072 M & V Mobilfunk GbR
072 Fahrschule Klaus Auguszt
074 Friedrich & Glöckner G.m.b.H. Stiller Drogerie o.K. Foto-Labor Shop GmbH
074 Anna Schmieder Zigarren-Geschäft
074 PGH des Schuhmacherhandwerks Hans Sachs
074 Kurt Rücker Bürstenmachermeister
075 Franz Kaul Sattlerei
077 DLB Gardinenwäscherei und -Spannerei
077 Gertrud Handrack Textilwaren
078 Josef Krause Polstermöbel
079 C. Wilhelm Müller Schankwirtschaft Beethoven-Apotheke
080 Zur Linde Gustav Joseph Schankwirtschaft Zur Bockwurscht Gaststätte
080 Lina Helmich Schokoladen-Händlerin Modeboutique in flagranti
080 Hermann Herklotz Steinmetzmeister
080 Stadt- und Bezirksbibliothek
080 Hintergebäude Ernst Friese und Gustav Schwarzig mechanische Werkstatt und Fahhradreparatur-Anstalt Günther Franke Maschinenbau und Reparatur
082 Dresdner Milchversorgungs-Anstalt e.G.m.b.H. Walter Brunner Uhrmacher und -Handlung Lothar Weiß Uhrmachermeister
088 Leonhard Pfeiff Bügelanstalt
090 Deutsche Ciroleum-Industrie Otto Lohse G.m.b.H. Suse Richter Wäscherei und Plätterei
090 Heinrich Rösing Wäscherei und Plätterei
092 Zum Goldenen Apfel Clara Puhlmann Schankwirtschaft Gaststätte Goldener Apfel
096 Alfred Naumann Friseur
098 Gustav Bernhard Ehrlich Bäcker Johannes Mempel Pantoffeln, Vertrieb chemischer Erzeugnisse
099 Andre Breuer Automobile

Michael Kutzlebe Umzugsservice

Mietpark Gorbitz GmbH

Reichert Automobile

102 Br. Schmidt Steinmetzmeister
102 Lina Schmidt Plättanstalt
104 Neumöbelspedition Wolf GmbH
106 Mor. Wobat Brothändler Schlawiener Gaststätte
108 Paul Lotze Buchdrucker
111 Barbara Branzke Gardinenstudio
114 Gasthof zu Wölfnitz Gustav Ad. Köhler Wölfnitz HO-Gaststätten Nord-West
116 H. Morgenstern Glasermeister Horst Heymann KG Glasmalerei und -Schleiferei
116 Hintergebäude Isola Kartonnagen- und Papierwaren-Fabrik Hugo Selck Agraria Pharma GmbH
116 Ernst Richter & Co. Inh. Herbert Richter Matratzen

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Februarausgabe

Text und Fotos: Marlis Goethe

Von Türen und Häusern: Unterwegs in den heutigen Straßen von Löbtau mit überraschenden Ansichten.

Zur bebilderten PDF-Ausgabe bitte hier klicken

Wir beginnen in Altlöbtau. Hier liegen heute Historisches, Zerfallenes, gut Rekonstruiertes, unpassende Lückenbebauung sowie eine moderne Wohnanlage rund um den ehemaligen Dorfplatz nebeneinander. Dieser Platz ist eine grüne Insel mit Bänken und zwei Spielbereichen.

Auf der nördlichen Seite sind teils noch die typischen Giebelhäuser der ehemaligen Bauernhöfe zu erkennen. Die Hausnummern 4 und 18 sind wegen der großen Tore besonders bemerkenswert.

Unser Weg führt die Lübecker Straße hoch zum Lerchenberg auf 132 m über dem Meeresspiegel. Dort angekommen, haben wir einen sehr schönen Blick in Richtung Friedrich-stadt und Stadtzentrum. Diesen strategischen Punkt kannten 1759 bis 1763 und 1809 schon die Österreicher und später auch Napoleon. Das Ostra-Vorwerk, die Elbe und das Weißeritzufer mit der damaligen wichtigen Steinbrücke hatte man so unter Kontrolle.

Die hier um 1900 entstandenen Häuser verraten viel Individualität. Am Lerchenberg 22

gibt es z.B. in jeder Etage verschiedene Fensterformen. Die Nr. 25 war das ehemalige Restaurant „Am Lerchenberg“, gleich am Eckeingang ist das Angebot noch heute lesbar. Also einfach mal schauen.

Am Anfang der Braunsdorfer Straße erzählen Fresken an zwei moderneren Mehrfamilienhäusern von Fürsorge, Hilfsbereitschaft sowie Fleiß, Ordnung und Arbeitseifer.

An der nächsten Straßenkreuzung, so wie auch an anderen ähnlichen Orten in Löbtau, erkennen wir leider, dass die ehemals typische Eckbebauung mit kleinen Ladengeschäften und „Dachkronen“ schon verändert wurde.

Wenn wir jetzt die Burgkstraße abwärts nach Altlöbtau und danach wieder auf der anderen Seite zurücklaufen, sehen wir, dass keine der Haustüren der anderen gleicht. Größe, Schmuck in Holz und Stein, Farbe – Jede ist anders.

In der Braunsdorfer Straße ist die Hausnummer 13 bemerkenswert. Es handelt sich dabei um das Luisenhaus. Ein sehr repräsentativer Bau von 1898. Damals Krankenhaus und Damenstift, nach 1945 Verwaltungsgebäude, dann lange Zeit Poliklinik, ab den 1990iger Jahren Ärztehaus und Rettungswache und schließlich Gesundheitsamt.

Über dem Eingangsbereich ist übrigens das Löbtauer Gemeindesiegel erkennbar.

Wir queren nun die Rudolf-Renner-Straße und sehen sehr beindruckende große und mit viel Dekor gestaltete Häuser der damaligen Friedrich-August-Straße, später Kronprinzenstraße. Das Eckgebäude mit der Hausmummer 34 fällt dabei mit großem Blumendekor, Balkonen und einem Monogramm auf.

Rund um den heutigen Conertplatz gibt es sehr schöne, wieder sehr verschieden gestaltete eintürige Hauseingänge. In den 1980iger Jahren wurde die Bebauung durch DDR-Anbauten und 2009 auf dem ehemaligen Tennisplatz mit dem als „Court Conert“ bezeichneten Gebäudekomplex, bestehend aus Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie einem Generationenwohnhaus, ergänzt.

Der Conertplatz selbst wurde 1993 nach historischem Vorbild teils rekonstruiert. Der Ort der ehemaligen Brunnenanlage wird heute durch Bepflanzung in Form eines stilisierten Blattes dargestellt.

Im folgenden Gebiet Löbtaus gibt es viel Hausfarbe.

Das grüne Eckhaus in der Malterstraße 22 zeigt einen versteckten, interessanten Eingangsbereich, grünen Holzbalkone, und besondere Dekore an der Hauswand und bei der Gestaltung des Dachsimses.

In der Stollestraße, schräg gegenüber, sehen wir einen auffallend großen Schulbau. Er wurde bereits 1902 von der der Gemeinde Löbtau gebaut. Deshalb ziert auch hier das damalige Gemeindesiegel – Herz mit drei Blumen – noch heute den oberen Teil der schweren Holztür mit dem ehemaligen Jungen-Eingang in der Stollestraße und dem früheren Mädchen-Eingang in der Emil-Ueberall-Straße.

In der nächsten Querstraße – der Emil-Ueberall-Straße – gibt es sehr schöne Beispiele für die Löbtau prägenden alten und auch neueren Kaffeemühlen-Häuser. Im Volksmund das  „Isis-Haus“ oder „Brunnenhaus“ hat auch tatsächlich 2 Brunnen.

Auch die Gestaltung der Häuser an der Kreuzung Malterstraße mit „Läden“ und Dach-Ecktürmen sind wieder typisch.

Schließlich müssen wir bei unserem Rundgang die Kesselsdorfer Straße überqueren. Im Bereich der Gohliser- und Wernerstraße verrät die noch historische Häuserzeile mit der in diesem Jahr seit 110 Jahre bestehenden „Konditorei Müller“ etwas von der ehemaligen Pracht-und Einkaufsstraße.

In Löbtau-Süd sind besonders der Schillingplatz und Bonhoefferplatz bezüglich ihrer Gestaltung und der sehr geschlossenen Bebauung mit viergeschossigen Wohn-und Geschäftshäusern beeindruckend. Auffallend ist das Wechselspiel von meist rotem Klinker mit Sandstein, Dekor an Wänden und Dach, sowie der Fenstereinfassung. Die Häuser sind so sehr prächtig und die Türen erscheinen größer.

Sehr beliebt ist der 1994 neugestaltete ca. 2,4 Hektar große Bonhoeffer-Platz. Eine wirklich schöne grüne Insel, obwohl sie ja eigentlich von der verkehrsreichen Reisewitzer Straße zerschnitten wird.

Wir biegen in die Leumerstraße ab und gelangen so zum Badweg und damit zum ehemaligen Volksksbad. 1902 als Wannen- und Brausebad zur Körpererziehung und als Reinigungsbad errichtet, wurde es sogar bis Mitte der 90iger Jahre genutzt. Danach ist es immer mehr verfallen, wie nebenan auch die ehemalige Maschinenfabrik Simon. Diese unansehnliche Brache wurde im Rahmen des städtebaulichen Sanierungsprogramms neugestaltet und 2015 der Bevölkerung als „Bewegungspark Volksbadgarten“ übergeben. Das Badehaus bekam einen modernen Ergänzungsbau und ist heute eine Kita. Im Parkgelände erzählen alte Maschinen und in alten Fenstern bzw. Türen versteckte Fotos von früher. Viel Grün, Wasserspiele und Fitnessgeräte lassen uns heute erholen.

Das enorme Ansteigen der Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts veranlasste damals die Stadtgemeinde aus Mitteln der Dr.-Krenkel- und der Johann-Meyer-Stiftung an der Klinge- und der Dölzschener Straße sehr interessante Wohnanlagen für besonders arme und kinderreiche Familien bauen zu lassen und auch günstig zu vermieten.

Die Häuser sind dreigeschossig und die Wohnungen unterschiedlich groß. Sie bestehen aus Stube, 1-2 Kammern, Wohnküche und WC.Teilweise haben sie auch einen Balkon. In den Wohnanlagen gibt vier Waschküchen, einen Mangelraum, fünf Baderäume und einen Gartenbereich. Die Entwürfe dafür stammen von Hans Erlwein.

Auch die kleine Wohnanlage für Beamte der Städtischen Straßenbahn  (Bünaustraße Nr.4b-8b ) wurde 1912 nach seinen Plänen errichtet.

1999 erfolgte eine denkmalgerechte Sanierung dieser. Eine dann im Eingangsbereich aufgestellte Stele trägt folgende Inschrift:

»Ehre das überlieferte Alte und schaffe Neues aus Ihm. Hans Jakob Erlwein, Stadtbaurat in Dresden 1905–1914.«

Für den Text wurden teilweise Angaben aus folgender Quelle genutzt:

http://www.dresdner-stadtteile.de/Sudwest/Lobtau/Strassen_Lobtau/strassen_lobtau.html

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Januarausgabe

Autor: Uwe Hessel

Über Stock und Stein: Einblicke in die Entwicklung des Wege- und Straßennetzes in und um Löbtau

Wer schaut schon im Zeitalter von onlinebasierten Möglichkeiten zur Suche nach dem richtigen Weg von einem Ort zum anderen noch auf traditionelle Karten, selbst wenn diese ebenfalls im Internet verfügbar sind? Und wer kann diese lesen und die Angaben darin interpretieren und zuordnen? Meistens sind es Historiker, Kartografen, Geschichtsinteressierte, Sammler und einige Andere, also ein recht überschaubarer Kreis. Dabei finden sich in alten Karten so manche Besonderheiten aus der Geschichte eines Ortes, die hin und wieder heute noch im Original bestaunt werden können.

Das Siedlungsgebiet des heutigen Dresdner Stadtteils Löbtau lässt sich mit der Hilfe historischer und aktueller Karten ganz neu entdecken, wenn man nur mit offenen Augen durch die Straßen geht oder fährt.

Wie mehrere Funde im Bereich des heutigen Bonhoefferplatzes zeigten, siedelten vor über 6.000 Jahren die ersten Menschen dort[1]. Ähnliche Funde gibt es aus heute mehr oder weniger benachbarten Stadtteilen wie z.B. „Cotta, Mockritz, Striesen, Leuben, Prohlis und Nickern“. Mit einigen Unterbrechungen in der Besiedlung bildete sich bereits vor über 2.000 Jahren ein regelrechter Kranz aus Siedlungsstätten an den südlichen, südwestlichen und westlichen hochwassersicheren Hängen des Dresdner Elbtalkessels heraus.[2]

Im bekannten Löbtau-Buch von Hans Georg Willige findet sich eine Karte, welche Löbtau und Umgebung um 1550 darstellt. In ihr sind zwar keine Wege, wohl aber die Brücke über die Weißeritz und der alte Elbübergang in der Nähe der heutigen Carolabrücke eingezeichnet.[3] Man kann allerdings davon ausgehen, daß es bereits zu Zeiten der frühen Besiedlung mannigfaltige Verbindungswege zwischen den einzelnen Orten gab.

Die Slawen bauten ihre Häuser vor über 1.000 Jahren mehr nordwestlich der nahe der Weißeritz gelegenen ersten Siedlungsstätte, ohne damals zu ahnen, daß diese Lage zu einer gewissen Löbtauer Besonderheit führte. Das kleine Dorf[4] lag nämlich nahe des später sehr wichtigen Überganges an der Weißeritz und damit an einem der für Dresden wichtigsten Handelswege: der seit Mitte des 12. Jahrhunderts existierenden Straße für den Silbertransport aus dem Erzgebirge in die spätere Residenzstadt. Die Namen dieser Straße wechselten. Ihre Bedeutung änderte sich mit dem Wandel der Nutzungen. Heute bildet die Kesselsdorfer Straße verkehrstechnisch das Rückrat von Löbtau.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde sie noch „Freyberger“ bzw. „Land- und Post-Strase“ genannt, die Dresden mit Freiberg und über ein Abzweig bei Gorbitz mit Nossen verband. Ihr Zustand wurde in einer Beilage zu den Sächsischen Meilenblättern als „gut“ bezeichnet, was auf einen entsprechenden Ausbau und eine gut Wartung schließen lässt.[5] Sie führte schon damals nach „Woelfnitz“, Ober- und Niedergorbitz und dem heutigen Altgorbitz, dem damaligen „Beerhaut“. Dort wo heute die Lübecker Straße von der Kesselsdorfer Straße abzweigt, stand eine „1/4 Meilensäule“. Die heutige Lübecker Straße folgt weitgehend einem alten Verbindungsweg nach dem heutigen Altcotta.

Die heutige Tharandter Straße war ebenfalls schon frühzeitig ein wichtiger Verbindungsweg mit verschiedenen Abzweigen. Sie führte vom „Chaußée Haus“ (heute steht dort die Löbtau-Passage) nach Potschappel, vorbei an „Reisewitzens Garten“ zum Dorf Plauen, über die heutige Altfrankener Straße und die Straße „Am Kirschberg“ nach „Doellschen“ sowie über die heutige Wiesbadener Straße nach Naußlitz.[6]

Allgemein geben die Karten in der Broschüre des Stadtplanungsamtes zur Stadterneuerung von 2008 einen guten Überblick zur Entwicklung des Straßen- und Wegenetzes in und um Löbtau ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis heute.[7]

Mit der Gründung der „Aktiengesellschaft zum Bau der Kohlebahn“ 1852 und der Einweihung der Strecke nach Tharandt 1855 begann eine bis dahin nicht gekannte Umwandlung des althergebrachten Straßen- und Wegenetzes in und um Löbtau.

Die Einrichtung der Strecke führte zur ersten Industrialisierung am Rande der Löbtauer Flur entlang der Weißeritz. Energieintensive Firmen, die Kohle für den Betrieb ihrer Dampfmaschinen und andere Zwecke benötigten, siedelten sich an.[8]

Diese wiederum zogen Arbeitskräfte an, die nicht nur von ihrer Wohnung in die Fabrik kommen wollten, sondern auch mit Strom, Heizung, Hausrat und Lebensmitteln versorgt werden mussten. Dazu brauchte man nicht nur die entsprechenden Versorgungsnetze, sondern auch neue Straßen und Wege.

Kaum noch bekannt ist, daß in Löbtau eine eigene Straßenbahnlinie eingerichtet wurde.

Vorläufer war 1864 eine Pferdeomnibuslinie quer durch Dresden nach Pillnitz.

In Löbtau verband eine Pferdestraßenbahnlinie anfangs das Siemens-Glaswerk mit dem extra eingerichteten Pferde-Straßenbahnhof in der Bünaustraße. Die Linie wurde später bis Wölfnitz verlängert. Bis 1889 folgte schließlich die Verlängerung zum Postplatz.[9]

Verbunden mit der notwendig gewordenen städtebaulichen Bebauungsplanung und deren Realisierung ab 1875 entstand ein ganz anderes, wesentlich größeres Löbtau, in dem das ursprüngliche Dorf fast verschwand und dennoch über die Jahrzehnte „konserviert“ wurde.

Aus dem sternförmigen und an den benachbarten Dresdner Vororten orientierten Wegenetz entstand in seiner Erweiterung das ortsbildprägende rechteckige Gitter aus Straßen. Solche sind zwar nicht nur in Löbtau anzutreffen, deren Einbindung in die bis dahin entstandenen Verkehrswege und die dazugehörige Topografie machen jedoch das Besondere aus.

Auch wenn man sie meist nicht mehr als etwas Besonderes wahrnimmt, gibt es seit 1994 ein Straßenbauwerk, welches aus der Luft gesehen das Bild von Löbtau mit prägt: die lange Jahre vorher geplante aber bis zur Wende nicht realisierte Verlängerung der Nossener Brücke.

Straßen der Gemeinde Löbtau
01.02.1901 [10] 2017
Altfrankenerstraße Altfrankener Straße
Am Lerchenberg Am Lerchenberg
Äußere Reisewitzerstraße Reisewitzer Straße
Bismarckbrücke ohne Namen
Bismarckstraße Ebertplatz
Bramschstraße Bramschstraße
Burgkstraße Burgkstraße
Columbusstraße Columbusstraße
Coschützerstraße Zaukeroder Straße
Cottaerstraße Lübecker Straße
Crispiplatz Epertplatz
Deubenerstraße Deubener Straße
Döhlenerstraße Döhlener Straße
Dölzschenerstraße Dölzschener Straße
Dorfplatz Altlöbtau
Dorfstraße Hermsdorfer Straße
Dr. Schmidtstraße Chausseehausstraße
Dresdner Platz Columbusstraße / Löbtauer Straße
Dresdnerstraße Löbtauer Straße
Flußstraße durch Betriebsgelände des Kupplungswerkes Dresden überbaut, gehört heute zu Stadtteil Dresden-Friedrichstadt
Frankenbergstraße Frankenbergstraße
Friedrich Augustplatz Conertplatz
Friedrich Auguststraße Rudolf-Renner-Straße
Gartenstraße Eichendorfstraße
Germaniastraße Baluschekstraße
Gohliserstraße Gohliser Straße
Grundstraße Teil der Paschkystraße
Habsburgerstraße Fritz-Schulze-Straße
Hainsbergerstraße Hainsberger Straße
Herbertstraße Emil-Ueberall-Straße
Hohenzollerstraße Oederaner Straße
Kesselsdorferstraße Grillenburger Straße
Kirchplatzstraße Wernerstraße
Kirchstraße Stollestraße
Klingestraße Klingestraße
Leumerstraße Leumerstraße
Lindenplatz Bünauplatz
Lindenstraße Bünaustraße
Moltkestraße Mohorner Straße
Naußlitzerstraße Saalhausener Straße
Nossenerstraße Siebenlehner Straße
Nostitzstraße Clara-Viebig-Straße
Nostitz-Wallwitz-Platz Bonhoefferplatz
Oststraße Anton-Weck-Straße
Parkstraße Grumbacher Straße
Pesterwitzerstraße Wiesbadener Straße
Plauenschestraße Tharandter Straße
Poststraße Poststraße
Potschapplerstraße Frankfurter Straße
Prinzeß Luisestraße Braunsdorfer Straße
Rabenauerstraße Rabenauer Straße
Reisewitzerstraße Reisewitzer Straße
Roonstraße Waldheimer Straße
Saxoniastraße Saxoniastraße
Schillingplatz Schillingplatz
Schillingstraße Schillingstraße
Schulstraße Gröbelstraße
Siemensstraße Hirschfelder Straße
Straße X Eventuell ein Teil der Bünaustraße
Südstraße Malterstraße
Tharandterstraße Freiberger Straße
Wallwitzstraße Clara-Zetkin-Straße
Wernerplatz Wernerplatz
Wernerstraße mit Brücke Wernerstraße
Wilsdrufferstraße Kesselsdorfer Straße

 

 

[1] Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt (Hrsg.): Löbtau im Wandel, Stadterneuerung für Dresden, S. 6, Dresden 2008

[2] Eigenwill, Reinhardt: Vorgeschichtliche Zeit, slawische Besiedlung und deutsche Eroberung, in Dresdner Geschichtsverein e.V. (Hrsg.): Dresden, Die Geschichte der Stadt, S. 10, Junius Verlag GmbH, Dresden 2002

[3] Willige, Hans Georg: Ue-Löbtau, Geschichte Löbtaus bis zum 30 jährigen Kriege, Erstes Heft der Heimatgeschichte von Löbtau, W. Ostwald, Dresden 1934

[4] Auf dem Dresdner und Freiberger Exemplar der Sächsischen Meilenblätter ist das Dorf Löbtau von Wiesen, vielen Bäumen (Obstgärten) und zwei bzw. drei kleinen Weingärten umgeben eingezeichnet. Es gab damals dort 35 Gebäude mit verschiedenen Anbauten. Quelle: Einträge in den Sächsischen Meilenblättern, Blatt 261 und 262 (Berliner Exemplar), 1785 bzw. Blatt 255 und 256 (Freiberger Exemplar), 1785 mit Nachträgen bis 1876 In Letzterem wurde der Name von „Loebta“ in „Löbtau“ geändert.

[5] Knüpfer, G.: Beylage zu der XXten bis XXVIten Quadratmeile, Anmerckung. Strasen und Wege, 1785 (Transkription beim WIMAD e.V.)

[6] Einträge in den Sächsischen Meilenblättern, Blatt 261 und 262 (Berliner Exemplar), 1785 bzw. Blatt 255 und 256 (Freiberger Exemplar), 1785 mit Nachträgen bis 1876

[7] Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt (Hrsg.): Löbtau im Wandel, Stadterneuerung für Dresden, S. 13, 22, 23, 67, 86, 87 Dresden 2008

[8] ebenda, S. 20

[9] Dresdner Verkehrsbetriebe AG (Hrsg.): Von Kutschern und Kondukteuren, Die Geschichte der Straßenbahn zu Dresden von 1872 bis 2007, S. 12, 23, Dresden 2007

[10] Bauamt Löbtau, Februar 1901