Löbtauer Geschichtsblättchen Online – Septemberausgabe

Löbtauer Geschichtsblättchen Online

herausgegeben von der Arbeitsgruppe Löbtauer Geschichte aus Anlass des 950. Stadtteiljubiläums 2018

Septemberausgabe

Autor: Uwe Hessel

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Rauchende Schornsteine und geschäftiges Treiben rund um die Weißeritz, Löbtau im Industriezeitalter

Teil 1

Grundlage für den nachfolgenden Beitrag ist der ist der vom Autor am 29.08.2018 gehaltene Vortrag.

Einleitung

Die Geschichte der Industrie in Löbtau bietet eine Vielfalt von Einblicken in die Entwicklung von Fabriken im Stadtteil selbst und in den benachbarten Dresdner Stadtteilen Plauen, Friedrichstadt, Cotta und der Wilsdruffer Vorstadt. Ein wichtiger Ursprung der Dresdner Industrie überhaupt liegt gerade im Bereich der Weißeritz, teils auf Löbtauer und teils auf Plauener Seite: der ehemalige Weißeritzmühlgraben und das Gelände an der Weißeritzbrücke an der heutigen Kesselsdorfer- / Freiberger Straße.

Mit Löbtau selbst sind so bekannte Namen wie Hille, Klinge, Lehmann, Naumann oder Siemens verbunden, die es nicht selten zu Weltruhm gebracht haben. Aber auch weniger bekannte Firmen wie Popp, Postranecky, Richter oder Seifert gehören dazu. Die Aufzählung ist natürlich nur beispielhaft, denn ein paar Fabriken reichten natürlich nicht, um Löbtau zum Titel der dereinst größten sächsischen Industriegemeinde zu verhelfen.

Ein paar Worte zur Ausgangslage

In verschiedener Form sind schon zu früheren Zeiten einzelne Beiträge zur Löbtauer Industrie- und Gewerbegeschichte erschienen. Gleiches trifft auf etliche Firmenportraits und –Chroniken zu.

Eine zusammenfassende und wissenschaftlich fundierte Darstellung fehlt allerdings bis heute.

Ein erster neuerer Versuch, wird im Löbtauer Stadtteilheft unternommen.[1]

Da der Platz im Stadtteilheft natürlich begrenzt ist, wird in diesem Beitrag ausführlicher auf einzelne Aspekte eingegangen, insbesondere die für Viele interessanten Firmengeschichten, da bei so manchen ehemaligen Arbeiter, Angestellten oder Betriebsleiter Erinnerungen wach werden.

Erfreulich viele jüngere Menschen, deren Eltern, Großeltern oder Verwandte mal in einem der Betriebe gearbeitet haben, interessieren sich dafür. Neu-Löbtauer wollen sich zudem oft mit Ihrem neuen Wohn- und Arbeitsort bekannt machen.

Somit bestehen beste Voraussetzungen für ein mögliches Projekt aus der Bürgerschaft heraus, um mit Unterstützung von Fachleuten die aus dem Ortsbild des Stadtteils weitgehend verschwundenen Zeitzeugnisse in ihrer Gesamtheit wieder erlebbar zu machen.

Als aus meiner Sicht gelungene Einzelbeispiele möchte ich den Badgarten auf dem Gelände einer ehemaligen Wäschereimaschinenfabrik an der Bünaustraße oder den, zwar nicht nur auf Löbtau bezogenen, bald wieder stattfindenden IndustrieKulturParcour sowie den Mühlenpark auf dem Gelände der ehemaligen Pulvermühle nennen.

Die Quellenlage

Der Beitrag speist sich aus verschiedensten Quellen. Neben der allgemein zugänglichen Literatur sind es viele private Materialien. So sammeln z.B. die Mitglieder der AG Löbtauer Geschichte fast jeden Schnipsel zu Löbtau und damit natürlich auch zu den Firmen. Der Autor selbst befasst sich außerdem schon seit Jahren mit Industriegeschichte und besitzt einen eigenen Fundus. Kontakte mit örtlichen geschichtsinteressierten Bürgern, Unternehmern und Intsitutionen helfen zusätzlich.

Dennoch hat die AG Löbtauer Geschichte gerade erst damit begonnen, sich einen Überblick zum Thema zu verschaffen.

Fabriken in Löbtau: die Anfänge

Für die Entstehung von Fabriken in Löbtau spielte der Weißeritzmühlgraben mit dem angrenzenden Holzhof eine herausragende Rolle.[2]

Seine Bedeutung nahm mit dem Ersatz der Wasserkraft durch Dampfkraft ab, blieb aber lange noch präsent. Auf einer Panoramzeichnung von Löbtau aus dem Jahre 1885 kann man schon 51 Fabrikschornsteine zählen.[3]

Einen weiteren Schub brachte der Eisenbahnanschluß, ursprünglich hauptsächlich wegen des Kohlebahnhofs. Auf dem Bahnhofsgelände wurden aber auch Baumaterialien umgeschlagen, quasi die Fortführung des Holzhofes.

Um diese Quelle der anfangs aus dem Döhlener Gebiet stammenden Steinkohle siedelten sich folgerichtig bald Firmen an, die den Energieträger für ihre Dampfmaschinen benötigten.

Der begrenzte Güterverkehr für Fertigprodukte verlagerte sich schnell auf die östlich der Rosenstraße liegenden Gleise um den Chemnitzer Bahnhof. Das zog wiederum Dienstleister (heute würde man Logistiker sagen) wie Planen- und Kistenfabriken sowie Lohnpacker an.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es schließlich ein großes Industriegebiet mit hunderten Firmen und zehntausenden Arbeitern zwischen Löbtauer-, Ammon-, Zwickauer- und Tharandter Straße.

Bei der Auswertung der Dresdner Adressbücher gewonnene Informationen kann man in zeitgenössische Stradtpläne eintragen und erkennt schnell, wie eng die Löbtauer Fabrikgelände mit denen in den Nachbarstadtteilen verknüpft waren.

Die Entwicklung von Handwerk und Gewerbe in und um das ursprüngliche Dorf Löbtau begann erst relativ spät. Ursache dafür waren behördliche Verbote und insbesondere im 19. Jahrhundert auch der Unwille der Gemeinde.[4]

Bereits seit dem 16. Jahrhundert gab es aufn Löbtauer Flur die Pulvermühle. Später folgten weitere Manufakturen am Weißeritzmühlgraben unmittelbar an der Grenze zwischen Löbtau und der Wilsdruffer Vorstadt. Vor 1892 gab es in Löbtau 11 Fabriken und zur „Einverleibung“ (Eingemiendung) nach Dresden wurden 58 Fabriken gezählt. Wobei man bei dem Begriff „Fabrik“ vorsichtig sein muß, da dieser nicht geschützt ist, denn nicht jede Firma, welche das Wort im Namen führte, war tatsächlich eine umfangreichere Produktionsstätte.

Meilenblatt mit Weißeritzmühlgraben, Uwe Hessel
Meilenblatt mit Weißeritzmühlgraben, Uwe Hessel

Typisch, aber nicht nur für Löbtau war, daß sich vorne ein Wohnhaus befand, z.B. in der Tharandter Straße, und sich dahinter oft kleinere Industrieanlagen bzw. Fabriken angesiedelt hatten. Größere oder große Fabriken hatten ihren Standort eher am Stadtteilrand, z.B. in der Löbtauer Straße, im südlichen Teil der Tharandter Straße und vor allem an der Freiberger Straße. Die in Sachsen weit verbreitete Kombination von Fabrikantenvilla, Kontor und Fabrik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts war in Löbtau von Beginn an eher selten.

 

Einen guten Überblick und eine kurze Einordnung in die äußeren Rahmenbedingungen findet man im Abschnitt „Die Löbtauer Industriebetriebe“ in der Arbeit von Erika Voigt.[5]

Die beiden folgenden Übersichten wurden aus Daten und Angaben von Erika Voigt zusammengestellt (die Texte sind meistens wörtliche Zitate, auf die An- und Ausführungsstriche wurde der Übersichtlichkeit wegen verzichtet):

1871 kurzen Hochkonjunktur in Deutschland
1873 Gründerkrach

Von dieser Entwicklung blieb auch Löbtau und seine Industrie nicht unberührt. Vielen Löbtauer Betrieben gelang es trotzdem, durch diese Zeit hindurchzukommen.

Anfang 1880er langsame Gesundung der Industrie aber der inländische Bedarf stieg allgemein nicht in dem Maße wie die Warenerzeugung
1885 Exportverein für das Königreich Sachsen in Dresden mit dem Ziel gegründet, die Handelsbeziehungen zwischen Sachsen und dem Ausland zu fördern
1895 erstmals in Deutschland arbeiteten ebensoviel Menschen in der Industrie wie in der Landwirtschaft

 

Wichtige Löbtauer Fabrikstandorte im 19. Jahrhundert:

  • Bereich Städtischer Kohlebahnhof
  • E. Rost & Companie, Dampfmaschinen, Dampfpumpen, Lichtgießmaschinen und Dampfkessel, 1857 gegründet
  • Dampfhammerwerk Carl Thomas, Eisenbahnbedarf: z.B. optische Signale, Weichen und Drehscheiben, 1869 gegründet
  • Glaswerk Siemens, Wein-, Bier- und Mineralwasserflaschen, Standflaschen und Säureballons sowie in Zweigwerken Glaswaren wie z. B. Beleuchtungsgegenstände, 1862 durch Übernahme einer Tafelglashütte gegründet
  • Maschinenfabrik J. M. Lehmann
  • weiterhin Dampfwäscherei, Brennerei, Presshefen-, Sprit, Essig- und Senffabriken, Klempnerei (Dampfmetalldrückerei)
  • Bereich Löbtauer Straße
  • Maschinenbauwerkstatt Carl August Kuhnert, Inhaber Edwin Winkler, 1885 gegründet
  • Hartgussfabrik H. Kühne & Co., Walzen für die Kettenschleppschifffahrt, Strohhutpressen, mit eigenem Patent hergestellten zementierten Rohre und Gussteile für die 1872 in Dresden in Betrieb genommene Pferdeeisenbahn
  • Schokoladenfabrik Lobeck, Schokolade, Oblaten, Teewaffeln, Dessertgebäck, Zuckerwaren, Makkaroni, Nudeln, 1838 im Lockwitzgrund gegründet, 1862 in Löbtau neu gegründet
  • Lacksiedlerei Alexander Hessel, bis 1893
  • weiterhin Lack-Firnis-Farbenfabrik, Schuhwaren- und Schäftefabri
  • Bereich rund um die Weißeritzbrücke
  • Eisengießerei und Maschinenbauanstalt August Theodor und Ernst Moritz Weigel, 1884 geschlossen
  • Strickmaschinenfabrik Laue & Timaeus, hand- und motorbetriebener Strickmaschinen, 1868 gegründet
  • Hanfschlauch- u. Gummiwarenfabrik-AG
  • Bereich Kesselsdorfer Straße
  • Kunststein- und Zementwarenfabrik von L. A. Schreiber
  • weiterhin Metallwaren-, Chemische- und Stempelfabriken, Buchdruckerei
  • Bereich Tharandter Straße und Löbtau Sü
  • Gas, Petroleum- und Benzinmotorenfabrik Moritz Hille
  • Aktienbierbrauerei Reisewitz und Ziegelei, 1868 gegründet
  • Dampfkesselschmiede Lehner & Schmalz, 1879 innerhalb von Löbtau umgezogen
  • Werkzeugmaschinenfabrik Wuttig
  • Dampfschleiferei Zahn
  • Kunstgießerei Pirner & Franz, u.a. bekannte Dresdner Bronzeplastiken
  • weiterhin u.a. Papyrolith- , Armaturen- , Gummiwaren- , Fahrrad- , Metallwaren- , Kartonagenfabriken, Fabrik für Sicherheitsschlösser

Firmenchroniken

 

Montage, Uwe Hessel, 2018
Montage, Uwe Hessel, 2018

Im nächsten Abschnitt soll auf einige Firmen näher eingegangen werden. Dabei möge der Leser sich einen Spaziergang vorstellen welcher von der Löbtauer- und Freiberger Straße in Richtung Löbtau Süd führt.

 

Den Beginn macht die sowohl flächenmäßig als auch von der Anzahl der Bauten her größte Firma des Gebietes: Die Siemens Glasfabriken.

Ja Sie lesen richtig. Zur ursprünglichen Fabrik sind im Laufe der Jahrzehnte in Löbtau zwei weitere hinzu gekommen, was allgemein in den Darstellungen zur Geschichte des Unternehmens unberücksichtigt bleibt.

Doch zuerst stichpunktmäßig die wichtigsten Daten, die wiederum aus den Arbeiten von Erika Voigt und Holger Starke sowie aus meiner eigenen Sammlung stammen

  • 1862 gründete bzw. übernahm Hans Dietrich Siemens eine kleine Tafelglashütte zur Herstellung von Flachglas an der Ecke der heutigen Freiberger- und Fabrikstraße
  • 1867 übernahm Friedrich August Siemens das Unternehmen als Nachfolger seines zuvor überraschend verstorbenen Bruders und brachte seine langjährigen Erfahrungen aus England mit
  • in der Folge Einstellung der Tafelglasherstellung und Umstieg auf Behälterglas, Wein-, Bier- und Mineralwasserflaschen um
  • Oktober 1867 die von ihm entwickelte kontinuierlichen Schmelzwanne mit Regenerativ-Feuersystems ging in Dauerbetrieb
  • zwischen 1867 und 1871 Senkung der Selbstkosten um 26%
  • Produktionszahlen: 1867 30.000 Flaschen, 1878 1 Millionen Flaschen, 1884 24 Millionen Flaschen
  • Beschäftigte: vor 1875 400, 1886 1.150, 1903 also zur Einverleibung von Löbtau 701, davon viele aus Böhmen
  • 1872 Übernahme des Glaswerkes in Döhlen, heute Freital (das Werk produzierte ursprünglich Beleuchtungsgegenstände, heute noch Glasflaschen)
  • 1874 erste Feuerbestattung in Deutschland in einem gemeinsam mit Betriebsingenieur Richard Schneider entwickelten Verbrennungsofen (Bild dazu im Stadtteilheft)
  • 1879 Bau eines Zweigwerkes in Neusattl bei Karlsbad
  • weltweit erstmals Einführung von Porzellan-Bügelverschlüssen für Bier- und Mineralwasserflaschen
  • das Produktportfolio wurde ständig um weitere Glas- und Stanzerzeugnisse erweitert
  • die Produkte gingen zum größten Teil nach Nord-, Mittel- und Süddeutschland, sowie nach Österreich-Ungarn und Italien
  • 1887 Errichtung einer Stiftung für eine Pensions- und eine Witwen- und Waisenkasse
  • 1888 Umwandlung in eine von deutschen Banken kontrollierte Aktiengesellschaft in deren Zuge eine Vielzahl von Beteiligungen insbesondere in Böhmen, Schlesien und Österreich erworben wurden
  • 1888 war Siemens gemeinsam mit weiteren bekannten Dresdnern Gründer des Vereins „Volkswohl“, welcher ohne Klassenkampf und abseits von Alkohol die Lage der Arbeiter und ihrer Familien verbessern und natürlich deren Tugenden fördern sollte, ein durchaus ambivalentes Vorhaben (der Verein bestand bis 1950)
  • Bau von Mietshäusern für die Stammbelegschaft in der heutigen Oederaner Straße
  • 1904 verstarb Friedrich August Siemens und wurde im Familiengrab auf dem Neuen Annenfriedhof beigesetzt
  • 1909 Inbetriebnahme der Owens-Maschine zur automatischen Flaschenherstellung
  • 1911 kamen zwei Drittel der deutschen Flaschenglasproduktion aus den Siemens-Glasfabriken
  • 1931 bis 1938 krisenbedingte Einstellung der Glasflaschenherstellung
  • ab 1942 umfangreiche Rüstungsproduktion
  • 1946 enteignet und in den VEB Glaswerk Dresden bzw. den VEB Glaswerk Freital umgewandelt
  • 1985 VEB Vereinigte Beleuchtungsglaswerke Dresden im Kombinat Lausitzer Glas mit insgesamt 7 Betriebsteilen in Dresden, Bischofswerda, Coswig, Görlitz, Neupetershain, Radeberg und Welzow
  • 1985 VEB Glaswerk Freital im Kombinat Behälter- und Verpackungsglas Bernsdorf
  • während das Freitaler Glaswerk, wie schon erwähnt, weiter produziert, wurde das nach dem Weltkrieg übrig gebliebene Werk in den 1990er Jahren geschlossen und abgerissen
Glasflasche, Hessel / Sammlung Schmidt
Glasflasche, Hessel / Sammlung Schmidt

Das Glaswerk lag günstig, gleich am Kohle- und Güterbahnhof. In überschaubarer Entfernung fanden sich auch gleich die Großabnehmer wie die 6 Brauereien zwischen Friedrichstadt und Plauen sowie verschiedene Getränkeabfüller und -Händler zwischen Löbtau-Süd und dem Bahnhof Mitte. Zwar ist vom einstigen Glaswerk fast nichts mehr zu sehen, dennoch muß man zwischen Freiberger- und Tharandter Straße meistens nicht lange graben, um auf Flaschen zu stoßen, die mit großer Sicherheit bei Siemens hergestellt wurden.

Ein Beispiel dafür waren die Ausschachtarbeiten im ehemaligen Pulvermühlengelände zur Freilegung des Weißeritzmühlgrabens. Er war u.a. mit Unmengen von Glasflaschen verfüllt worden.

 

Bei allem unternehmerischen Erfolg darf nicht vergessen werden, daß viele Jahre lange Arbeitszeiten an bis zu 7 Tagen die Woche einschließlich Kinderarbeit die andere Seite der Medaille bestimmten, wie es auch in vielen anderen Fabriken üblich war. Vor allem die böhmischen Glasarbeiter lebten und arbeiteten unter erbärmlichen Bedingungen.

 

Einer, der beschloss, dem nicht mehr tatenlos zuzusehen, war Georg Horn. Nachfahren von ihm arbeiten gerade an einer Biografie und stellten uns vorab einige Informationen zur Verfügung, die ich durch zusätzliche Recherchen kann.

  • 08.1841 Georg Horn geboren
  • er lebte in Fabrikschleichach in Bayern und arbeitete in der dortigen Glashütte als Glasmacher
  • 1867 heiratete er Margarethe Bickel, musste aber kurz danach aus Fabrikschleichach fort gehen, da die Glashütte nach mehreren vergeblichen Rettungsversuchen 1867 ihren Betrieb endgültig einstellte
  • nach Stationen in verschiedenen Glashütten im Rheinland siedelte er nach Dresden über, wo bereits Verwandte wohnten, und begann in der Siemens-Glasfabrik zu arbeiten
  • 1873 Mitbegründer des Bundes der deutschen Glasarbeiter bzw. des Allgemeinen Glaskünstlerbundes Deutschlands (1878 wegen drohender Beschlagnahme der Gelder aufgelöst)
  • Horn wurde entlassen und fand als Glasarbeiter nie wieder eine Anstellung, er überlebte wohl erst mal nur durch die Hilfe der Verwandschaft
  • bis 1884 Produktenhändler (andere Quellen nennen1890 als Beginn des Geschäftes, von 1874 bis 1879 lebte Horn in Löbtau in der Wilsdruffer Straße, es sind verschiedene Hausnummern angegeben u.a. auch die Nr. 50 die in den Quellen immer wieder als Adresse für seinen Produktenhandel angegeben wird)
  • 1884 Begründer und Herausgeber „Der Fachgenposse“ Organ der Glasarbeiter
  • 1884 bis 1896 Mitglied des Gemeindekollegiums in Löbtau (Anmerkung: Gemeinderat)
  • 1890 bis 1896 Mitglied der Zweiten Kammer des Sächsischen Landtages
  • 1895 bis 1918 Mitglied des Deutschen Reichstages (Anmerkung: Georg Horn war Sozialdemokrat)
  • 1903 wurde Georg Horns ausführliche Arbeit zur Geschichte der Glasindustrie und ihrer Arbeiter veröffentlicht (Anmerkung: Georg Horn: Geschichte der Glasindustrie und ihrer Arbeiter, Verlag von Dietz Nachf., Stuttgart 1903, online über www.archive.org lesbar)
  • bis 1905 Redakteur der Zeitschrift der Glasarbeiter „Fachgenosse“
  • 08.1919 starb Georg Horn in seinem Haus in Lindenau bei Kötzschenbroda kurz vor seinem 78. Geburtstag (Anmerkung: heute Radebeul, Ortsteil Lindenau, zwischen Radebeul und Moritzburg)
  • er galt als „Patriarch der deutschen Glasarbeiterbewegung“

Übrigens verweist die Radebeuler SPD-Ortsgruppe auf Georg Horn.

(Fortsetzung folgt, Termin noch offen)

Danksagung

 

Erika Voigt stellte freundlicherweise der AG Löbtauer Geschichte ihr zitiertes Manuskript zur Auswertung zur Verfügung.

 

Bildquellen

 

  • Titelbild (LoebtauerGeschichtsblaettchenOnlineSeptember2018_1.jpeg): Montage, Uwe Hessel, 2018
  • Meilenblatt mit Weißeritzmühlgraben (LoebtauerGeschichtsblaettchenOnlineSeptember2018_2.bmp): Meilenblätter Sachsen, Dresdner Exemplar, Blatt 309, 1781, Ausschnitt, SLUB/Deutsche Fotothek, www.deutschefotothek.de/ete?action=queryZoom/1&index=freitext&desc=dd_hstad-mf_0000328&medium=dd_hstad-mf_0000328 (CC-BY-SA 4.0), Aufruf 04.01.2018, grafische Bearbeitung: Uwe Hessel, 2018
  • Glasflasche (LoebtauerGeschichtsblaettchenOnlineSeptember2018_3.jpeg), Hessel / Sammlung Schmidt
  • Grab von Friedrich August Siemens auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden-Löbtau (LoebtauerGeschichtsblaettchenOnlineSeptember2018_4.jpeg): Uwe Hessel, 2018

 

[1] Dubbers, Annette, Arbeitsgruppe Löbtauer Geschichte, Umweltzentrum Dresden e.V. (Hrsg.): Löbtau, Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils, Eigenverlag Annette Dubbers und Sandstein Verlag, Dresden 2018

[2] Anmerkung: Informationen zum Weißeritzmühlgraben bieten mehere ausfühliche Publikationen sowie die Informationstafeln im Weißeritzmühlenpark an der Oederaner Straße

[3] Pilz, Panorama von Löbtau, 1885, SLUB/Fotothek

[4] Anmerkung: Einen Überblick zu verschiedenen Aspekten der weiteren Entwicklung von Handel und Gewerbe sowie der sozialen Verhältnisse finden Sie im schon genannten Löbtauer Stadtteilheft.

[5] Voigt, Erika: Die Löbtauer Ortsgeschichte von 1880 – 2000, Manuskript